Druckschrift 
2 (1894)
Entstehung
Seite
288
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288 v - Staufer. § 5. Ligurinus.

gebracht; französische Schulen wird auch der Dichter des Ligurinusbesucht haben.

Wir haben also damit ein leichtfertig hingegebenes Werk derStauferzeit wiedergewonnen; der Dichterkrone Deutschlands ist, wieG. Paris sich ausdrückt, ein Kleinod zurückgegeben, dessen es sichverblendeter Weise selbst beraubt hatte.

Nicht ganz fehlt es auch dem Inhalt an Zuthaten; der Dichterhat freilich von den Ereignissen selbst keine Kenntnifs, aber erscheint doch Italien zu kennen; er kennt den grofsen Kaiser, seineSöhne und sein Heer, und seine Schilderungen sind deshalb nichtohne Werth.

Pannenborg hatte den Dichter für einen Italiener gehalten, hataber auf meine und Paris Einwendungen seine Meinung geändert,und auf Anzeichen hingewiesen, welche denselben dem südwestlichenDeutschland zuweisen.

Rätbselhaft bleibt, wie die ersten Herausgeber auf den NamenGünther geriethen, der sich nicht auf dem Titel, sondern nur inder Unterschrift findet. Die scheinbar frühere Erwähnung bei Nau-clerus beweist nichts, weil das Manuscript desselben erst 1516 fürden Druck bearbeitet wurde; eine vermeintlich ältere Ausgabe von1501 giebt es nicht. Während nun Paris und ich der Meinungwaren, dafs der Name auf einer Vermuthung beruhe, und dafs derDichter, welcher noch gröfsere Werke im Sinne hatte, wohl baldgestorben sein möge, weil eine weitere Spur von ihm nicht aufzu-finden ist, hat Pannenborg die Ansicht aufgestellt, dafs doch derEbracher Codex eine Unterschrift mit dem Namen des Verfassersenthalten habe, welche man nur anfangs übersah oder nicht richtigverstand. Und diesen Günther glaubte er aufgefunden zu haben ineinem Mönche des Cistercienserklosters Pairis oder Paris bei Sigolz-heim im Elsafs.

Es hat nämlich dieser Günther auf den Wunsch seines Abtesüber den vierten Kreuzzug geschrieben 1 ). Der Abt Martin hatte

*) Guntlieri Historia Constanlinopolitana in der neuen Ausg. vom GrafenPaul de Riant: Exuviae sacrae Constantinopolitanae, Gen. 1877 (Sep. Abdr.schon 1875) I, 57—126, mit den in der alten Ausg. v. Canisius fehlendenje 30 Versen am Ende der Capitel. Uebers. v. Vulpinus (Renaud) im Jahrb.d. Vogesenclubs V (1889). Burchard von Ursperg und Otto von St. Blasienbenutzten sie nach Pannenborg, S. 329—331, aber Thomä findet es beiOtto unbegründet. Uebrigens vgl. L. Streit, Commentatio de auetoribusquartae sacrae expeditionis, Putbus 1863. C. Klimke, Die Quellen zurGesch. d. 4. Kreuzzuges, Bresl. 1875. L. Streit, Beiträge zur Gesch. d. 4.Kreuzzuges, Anklam 1877, 4. G. Hanotaux: Les Venetiens ont-ils trahi la