Otto von St. Blasien. 285
haben ihm die Gesta Friderici vorgelegen, welche er Otto von Frei-sing zuschreibt, ohne Rahewins Antheil zu beachten, und nachH. Thomas Ansicht bei 1198 dieselbe gleichzeitige Strafsburgeroder Elsasser Quelle, welche auch in den sog. Marbacher Annalenzu erkennen ist. Doch zeigt sich schon hier, und noch mehr, woer nur auf Hörensagen angewiesen ist, eine leichtfertige Ungenauig-keit, und namentlich in der Chronologie ist er ganz unzuverlässig.Varrentrapp in seiner Dissertation über Christian von Mainz (Bonn1865), Toeche in den Jahrbüchern Heinrichs VI, und am eingehend-sten Heinrich Thomä 1 ) haben ihm zahllose Fehler nachgewiesen.Doch möchte ich nicht mit Thomä willkürliche Erdichtung an-nehmen. Dieser ganzen Richtung stand die gefällige Darstellunghöher als die Genauigkeit in Einzelheiten. Die geistlich« Auffassungfehlt natürlich auch bei ihm nicht ganz, aber von dem zelotischenGeiste der alten Sanctblasianer ist nichts mehr bei ihm zu be-merken; auch er ist wie Otto durchdrungen von der Nichtigkeitalles Irdischen, beschränkt sich aber mehr als dieser auf die ein-fache Darstellung der Thatsachen. Das Kaiserthum steht ihmüberall im Tordergrund, die Geschichte des Kaiserthums ist ebensein Gegenstand, und selbst das Pabstthum tritt dagegen in auffal-lender "Weise in den Hintergrund. Obgleich unverkennbar staufischgesinnt, achtet er doch auch in Otto schon den künftigen Kaiser,und nachdem dieser nach Philipps Tod von den Fürsten anerkanntist und sich mit den Staufern ausgesöhnt hat, berichtet er auch vonihm in gleicher "Weise wie von seinen Vorgängern. Bei Ottos IVKaiserkrönung aber endigt seine Chronik, sei es dafs er an derVollendung verhindert wurde, oder dafs er die neuen Verwicke-lungen und "Wirren darzustellen sich scheute. Denn gestorben ister nach Ussermann erst am 23. Juli 1223, nachdem er im Jahrezuvor Abt von St. Blasien geworden war 3 ).
Wir wollen hier auch der kurzen Erzählung von den Anfängendes Deutschen Ordens gedenken, welche von Dudik entdeckt,und nach der Untersuchung von M. Perlbach zwischen 1204 und1211 in Accon von einem Ordensbruder verfafst ist 3 ).
') Die Chronik des Otto von St. Blasien kritisch untersucht, Leipz.Diss. 1877. Darin ist S. 11 auch eine Untersuchung über die eigenthüm-lich ungenaue Verwendung des Namens Pyrenaeus in damaliger Zeit.
2 ) Seine Autorschaft ist nicht ganz sicher bezeugt, doch wohl kaumzu bezweifeln. Gründe für die Abfassung in St. Blasien von Scheffer-Boichorst Forsch. XI, 488, u. bei Thomä. — Ueber ein, von d. ung.Königin Adelheid unter Abt Günther (1141--1170) nach St. Blasien ge-stiftetes Kreuz s. NA. X, 410.
3 ) Forsch. XIH, 387—392. De primordiis ordinis Theutonici narratio,