284 V- Staufer. § 4. Otto von Freising und seine Portsetzer.
hat, die ursprüngliche Handschrift aber, wie es scheint, überarbeitetund mit Zusätzen vermehrt wurde. Davon stammen die Abschriften,welche sich in die beiden Classen B und C sondern; in B ist einefremde Hand zu erkennen, C aber wird von Waitz Rahewiu selbstzugeschrieben. Dagegen aber sprach Scheffer-Boicborst Zweifel aus 1 ),und ebenso Simonsfeld 2 ), der weder B noch C Rahewin zuschreibt,gestützt auf die Seitenstetter Handschrift, welche in merkwürdiger"Weise Lesarten der drei Recensionen vereinigt und nicht unwichtigeeigene hat.
Auch die Chronik Ottos fand einen nicht unwürdigen Fort-setzer an Otto von St. Blasien, der sie in annalistischer Formbis 1209 weiter führte 3 ). Doch läfst er sich durch diese Formnicht fesseln, sondern bewegt sich frei und leicht in seiner Darstel-lung und fafst das gleichartige zusammen. Er schliefst sich völligan Ottos Weise an und kommt wie dieser im Ausdruck den antikenSchriftstellern ziemlich nahe; es ist nicht ungeschickte Nachahmung,nicht die Aufnahme einzelner entlehnter Redeweisen, sondern eindurchgebildeter Stil, welcher eine gründliche und sorgfältige Be-schäftigung mit dem römischen Alterthum erkennen läfst. Keines-wegs aber ist es zufällig und blofs äufserlich, wenn die Schriftstellerdieser Zeit, soweit es ihnen möglich ist, von den Kaisern in derWeise der alten Autoren berichten, und die Kaiser selbst in ihrenErlassen die Formeln Justinians wieder zur Anwendung bringen; eshängt das vielmehr innig zusammen mit der damals gerade beson-ders lebhaft wieder hervortretenden Vorstellung, dafs das römischeReich deutscher Nation sich unmittelbar der Herrschaft der altenCäsaren anschliefse, einer Idee, die vorzüglich von der Juristen-schule Italiens genährt wurde und die Chronisten ohne Ausnahmeerfüllte. Uebrigens versteht Otto von St. Blasien es vortrefflich,die Ereignisse kurz und übersichtlich zusammen zu fassen, daswesentliche überall hervorzuheben; er bewahrt dabei eine ruhigeund parteilose Objectivjtät, aus der er nur selten heraustritt. Dieskonnte ihm um so eher gelingen, da er den Ereignissen, welche erbeschreibt, schon ziemlich fern stand, denn er hat sein "Werk erstnach 1209 im Zusammenhang verfafst. An schriftlichen Quellen
') Mitth. d. Inst. VI, S. 633—637, auch mit Nachweis weiterer Parallel-steilen aus Sallust u. a.
'') Bemerkungen zu Rahewin, WaitzAufsätze S. 204—227.
3 ) Ausgabe von R. Wilmans SS. XX, 302—324. Die ebenda ange-hängte -weitere Fortsetzung ist fast ganz aus Martinus Polonus entlehnt.Uebers. von H. Kohl 1881, Geschichtschr. XII, 8. — Nach einer These vonFritz Graf hätte er von 1146—1201 Ann. Marbac. benutzt.