Druckschrift 
2 (1894)
Entstehung
Seite
283
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Rahewin als Historiker. 283

"Wie Rahewin gearbeitet hat, das hat H. Prutz vortrefflich nach-gewiesen. Hatte man schon früher allerlei Anklänge an Sallust undandere Autoren wahrgenommen, so hat nun H. Prutz eine ganzaufserordentliche Ausbeutung des Josephus in der Uebersetzung,welche dem Rufinus zugeschrieben wird, ans Licht gebracht. GanzeSeiten sind fast wörtlich abgeschrieben 1 ). Aber doch nur fast wört-lich: sorgsam ist geändert, was zu den veränderten Zuständen nichtpafste. Und wenn nun hieraus der Schlufs gezogen wird, dafs dieBerichte werthlos seien, so kann ich dem in keiner Weise zustim-men 2 ). Schon I, 177 habe ich mich in Betreff Angilberts dagegenausgesprochen, und doch hatte Angilbert sich durch die Versnothverleiten lassen, auch die Hafenbauten aus der Beschreibung Car-thagos herüber zu nehmen. Dergleichen kommt bei Rahewin nichtvor, und wenn man darin wohl einig ist, Einhard trotz seiner vonSueton entlehnten Phrasen für glaubwürdig zu halten, so werdenwir für Rahewin denselben Anspruch machen dürfen. Ganz andersliegt die Sache, wenn, wie in der Vita Mathildis (I, 338) ein älteres"Werk erst später aufgeputzt ist, und handgreifliche Mifsgriffe vor-kommen. Dafs den Reden auch bei Rahewin geringe Autorität zu-kommt, versteht sich von selbst.

Den überlieferten Text der Gesta Friderici hat G. Jordan inder eben angeführten Schrift einer eingehenden Prüfung unterworfen,und namentlich nachgewiesen, dafs manche der aufgenommenenBriefe Rahewin erst nachträglich zugekommen, und mit den daraufbezüglichen Bemerkungen nicht immer am rechten Orte einge-schaltet sind. Sehr nachdrücklich hat dann H. Simonsfeld im NA.IX, 203—208, auf die Spuren verschiedener Recensionen des Texteshingewiesen, und darauf endlich G. Waitz mit umfassender Durch-forschung der Handschriften diese Frage behandelt, und den Ergeb-nissen entsprechend eine neue Ausgabe bearbeitet 3 ), in welcher dieverschiedenen Phasen unterschieden sind. Es ergab sich ihm, dafsdie älteste (A) in mehreren Fällen allein die richtige Lesart bewahrt

: ) Verschmelzung von Josephus mit Liudpr. HI, 41 nachgewiesen vonGundlach, NA. XI, 569. Andere entlehnte Stellen bei Manitius, NA. XII,430. Zusammenstellung der Entlehnungen bei Horst Kohl: Beiträge zurKritik Rahewins, Chemn. Gymn. Progr. 1890. — Zu IV, 18—22 s. W. Michael,Die Formen des unmittelbaren Verkehrs zw. d. deutschen Kaisern u. souv.Fürsten, 1888 (NA. XIV, 209).

-) So auch Martens: Ein Beitrag zur Kritik Ragewins, Greifsw. 1877;u. Jordan, Ragewins Gesta Friderici, Strafsb. 1881.

3 ) Ottonis et Rahewini Gesta Frid. 1 irwp. Ed. altera, rec. G. Waitz,1884. Vgl. dens. über die versch. Recensionen von etc. Berl. SB. 1884,S. 331—342.