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2 (1894)
Entstehung
Seite
280
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280 V. Staufer. § 4. Otto von Freising und seine Fortsetzer.

Opold hiefs, der für Otto die Klosterneuburger Probstei verwaltete,und die von Wilmans an diesen Namen geknüpfte Verrrratbung überRahewins Herkunft scheint unhaltbar zu sein. Riezler, der dieselbebekämpft 1 ), verweist auf Gest. IV, 14 (11 alter Zählung), wo Rahe-win Freising als „patria mea" bezeichnet. Er nennt Otto seinennutritor, und wird also schon in frühen Jahren in Beziehung zuihm getreten sein, vielleicht schon in Paris; wenigstens läfst aufStudien an französischen Schulen die ausgezeichnete philologischeBildung schliefsen, welche er sich erworben hat. Zeugnifs davongiebt die von W. Meyer herausgegebene Bearbeitung der Theophilus-sage in den künstlichen gereimten Hexametern, welche jene Zeitliebte 2 ). Der Verfasser nennt sich am Schlüsse Radewinus; dieHandschrift stammt aus dem Kloster Scheftlarn 3 ). Ueber die per-sönlichen Verhältnisse des Autors erfahren wir hieraus nichts. Er-giebiger ist eine Tegernseer Handschrift, welche ein Gedicht enthältmit der Ueberschrift: „Flosculus RAHEW. ad Ha. prepositum" inwelchem ich den Probst Hartmann zu erkennen glaubte, welcher1133 den in Klosterneuburg neu eingeführten Regulierten Chorherrenvorgesetzt war, und 1140 Bischof von Brixen wurde 4 ); allein mitder Verwerfung seiner Klosterneuburger Herkunft wird auch dieseBeziehung hinfällig. Der Verfasser erscheint hier in einem innigenVerhältnifs zu dem Probste, der ihn unablässig antrieb, die himm-lischen Dinge in Verse zu bringen, um zu zeigen, was er vermöge.Die erste Abtheilung ist rhythmisch, die zweite in gereimten Hexa-metern. Auch andere Stücke enthält die Handschrift, von unge-nannten Verfassern, in welchen dieselbe Formgewandtheit und Ver-trautheit mit den alten Dichtern sich zeigt. Am merkwürdigstenist ein an Nonnen gerichtetes Gedicht, dessen Verfasser sich gegendiejenigen vertheidigt, welche die classischen Studien verwerfen, undden Metamorphosen Ovids mystische Deutung unterschiebt. Wenner aber neben anderen ernsthafteren Ausführungen u. a. sagt:

1 ) Forsch. XVIII, 539: Namen und Vaterland des GeschichtschreibersRachwin. Ich setze im Anschlufs an Waitz Rahewin, der Gleichförmig-keit wegen.

2 ) Radewins Gedicht über Theophilus. Nebst Untersuchungen überdie Theophilussage und die Arten der gereimten Hexameter herausgegebenvon Wilh. Meyer aus Speyer. München 1873 (Aus den SB. der Akademie).Die Form Radewin haben auch die Hss. im Prolog der Gesta.

3 ) In einer Hs. aus diesem Kloster und in einer anderen des KlostersRein hat sich auch ein merkwürdiges Gedicht über die Unglücksfälle desJahres 1184 erhalten, gedr. NA. 1, 186—194, vgl. II, 386.

4 ) Das a steht über dem H, was die Deutung auf einen Hartmannbegünstigt.