Druckschrift 
2 (1894)
Entstehung
Seite
279
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Die Gesta Friderici. Rahewin. 279

Grade seine Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt; das zeigen unsdie so sorgfältig und kunstreich ausgearbeiteten Reden, welche un-zweifelhaft von Otto herrühren, aber mit Benutzung der ihm zu Ge-bote stehenden Anhaltpunkte vortrefflich der Sachlage angepafstsind. Man könnte wegen der Aeufserung über Rahewin in dem Be-gleitschreiben der Chronik: „qui hanc historiam ex ore nostro sub-notavit", und ebenso in Rahewins Bericht über Otto's Tod: „quihujus operis principium ejus ex ore adnotavi", auf den Gedankenkommen, als läge hier einer der Fälle vor, wo der vornehme Herrnur den Namen und die Anregung hergiebt, die eigentliche Ausfüh-rung aber von anderer Hand ist. Allein hier ist wohl von wirk-lichem Dictieren die Rede, denn Rahewin spricht in dem Prolog derGesten ganz ausdrücklich von Ottos überlegener Kunst der Dar-stellung; auch ist seine Ausdrucksweise ganz eigenthümlich und vonRahewins Werk verschieden; immerhin aber mag dieser etwas ge-holfen haben. "VV. Lüdecke hat die Gesta in Beziehung auf sprach-liche Entlehnungen sehr genau untersucht, und gefunden, dafs ver-traute Bekanntschaft mit Sallust, Josephus und anderen alten Autorenwohl überall durchschimmert, in der Regel aber wirklicher Gleich-laut vermieden ist. Nur II, 22 ist in der Beschreibung der Bela-gerung von Tortona in der That eine umfänglichere Ausbeutung dessog. Hegesippus nachzuweisen gelungen 1 ), auf welche bei II, 16Scheffer-Boichorst zuerst hingewiesen hatte.

Nur die Geschichte des Jahres 1156 vollendete Otto noch; ernahm diese beiden ersten Bücher mit sich nach Morimund undübergab sie hier bei seinem Tode zur weiteren Fortsetzung seinemSchüler und Notar Rahewin, der das volle Vertrauen seines Herrnund Lehrers genofs. Vorgearbeitet hatte Otto ohne Zweifel; er hatteviele Actenstücke gesammelt und vielleicht auch Aufzeichnungenhinterlassen, die Rahewin verarbeitete 2 ).

Dieser Rahewin, Rachwin, auch Ragewin, Reguin u. s. w.geschrieben, nannte sich gelegentlich auch Radewin, mit der damalsso häufigen Gleichgültigkeit gegen constante Namensformen; nurdie früher durch die erste Ausgabe üblich gewordene Form Rade-wicus scheint allein auf einem Schreibfehler zu beruhen. Zu unter-scheiden ist ferner der Name von Ruodewin, wie ein Neffe jenes

') Lüdeeke in der Dissertation, S. 31—38; S. 41—43 über eine Anzahlanderer rhetorisch sorgsam ausgearbeiteter Schilderungen, bei welchenEntlehnung vermuthet wird, ohne dafs doch ein Vorbild nachweisbar wäre.

2 ) Wilmans im Arch. X, 147 schreibt Otto einen zu grofsen Antheilzu; s. darüber Waitz in der Vorr. d. neuen Ausgabe, S. XXII.