278 V- Staufer. § 4. Otto von Freising und seine Fortsetzer.
h. Bernhard, mindestens ebenso wichtig, wie die grofsen Weltbege-benheiten, und er gewährte ihnen einen hier ganz unberechtigtenRaum. Dankenswerth ist es immer, dafs er sich nach Actenstückenumsah und sie in sein "Werk aufnahm, sowie dafs er von allenSeiten Erkundigungen über die Begebenheiten einzog, welche ernicht aus eigener Erfahrung kannte.
Im zweiten Buch berichtet dann Otto in chronologischer Folgesehr ausführlich über die ersten Jahre Friedrichs, auch hier mitvollständiger Aufnahme wichtiger Actenstücke. Das thut er umso lieber, da auch jetzt schon wieder Reibungen mit der päbst-lichen Curie zu berühren waren, und in solchen Fällen Otto essorgfältig vermeidet, eine entschiedene eigene Meinung auszusprechen.An genauer Kenntnifs des Gegenstandes konnte es ihm aber um soweniger fehlen, da er ja selbst an vielen Dingen Antheil gehabthatte, und bei dem wichtigsten Gegenstande von allen, die er zuberichten hatte, bei der Beilegung des Zwistes mit Heinrich demLöwen durch die Stiftung des Herzogthums Oesterreich, welche dieGrundlage von Friedrichs Regierung bildete, war gerade Otto derVermittler gewesen. Doch entspricht die Darstellung nicht immerunserer Erwartung; ungenau ist z. B. der Bericht über die Königs-wahl 1 ) und über die Erhebung Wichmanns zum Ersbischof vonMagdeburg. Völlige Unbefangenheit dürfen wir nicht verlangen,und es war jenen Zeiten sehr geläufig, zu verschweigen, was zuberühren unangenehm war. Doch glaube ich Otto gegen den Vor-wurf absichtlicher und kunstvoller Verdunkelung der Vorgänge inSchutz nehmen zu müssen; er hätte ja sonst das päbstliche Schrei-ben über Wichmanns Einsetzung nicht aufgenommen, welches dieUngenauigkeit seiner eigenen Darstellung erst erkennen läfst 2 ).
Man darf nie vergessen, dafs ihm die Form, der Schmuck derDarstellung, fast ebenso wichtig ist wie der Inhalt, und im höchsten
J ) Vgl. darüber P. Hasse, Erhebung Friedr. I (Festschr. f. A. Schaefer).
2 ) Vgl. H. Grotefend: Der Werth der Gesta Frid. 0. v. Fr. für dieGeschichte des Reichs unter Friedrich I (Hann. 1870), wo das zweiteBuch eingehend geprüft ist. Gr. scheint mir in der bezeichneten Richtungzu weit zu gehen, und verkennt auch, dafs es sich in Wichmanns Sachenicht um die Versetzung allein, sondern darum handelte, ob für dieselbehinlänglich gewichtige Gründe vorhanden waren. Ganz unbegründet istdie Beschuldigung bewufster Fälschung durch Erdichtung der BabenbergerHerkunft des österr. Fürstenhauses im Chron. von Clemens Schmitz:Oesterreichs Scheyern-Witteisbacher oder die Dynastie der Babenberger,München 1880. Vgl. Dümmler im Lit. Centralbl. 1880, Sp. 1733, u. A.Huber in d. Mitth. d. Inst, n, 374—382. — Ueber den Kreuzzugs-AufrufEugens IH (Gest. I, 35) s. R. Hirsch, Excurs I zu d. Studien zur Gesch.Ludwigs VH v. Frankreich, Leipz. 1892 (NA. XVIII, 359).