Druckschrift 
2 (1894)
Entstehung
Seite
277
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Ottos Gesta Friderici. 277

Friedrich 1 ). Friedrich selbst aber hat in seiner Urkunde vom.6. August 1167 üher die Translation des h. Bartholomaeus ein län-geres Stück aus dem sechsten Buch von Ottos Chronik als ent-scheidendes Zeugnifs aufgenommen; er nennt sie Annales praede-cessorum nostrorum, catholicorum imperatorum 3 ).

Um nun für das neue Werk einen passenden Eingang zu ge-winnen, stellt Otto im ersten Buche eine Uebersicht der Begeben-heiten seit dem Beginn des Kampfes zwischen Pabst und Kaiservoran, mit besonderer Bücksicht auf das Geschlecht der Staufer.Hier berührt er sich vielfach mit dem 7. Buch der Chronik, auf daser sich auch häufig bezieht; er ergänzt seine frühere Darstellungund führt sie fort bis zum Tode Conrads III. Seine Mittheilungen,namentlich auch aus der staufischen Familiengeschichte, sind nichtohne Werth. Doch fehlt es sehr an Genauigkeit und die einseitigeVerherrlichung Friedrichs und seines Geschlechts ist unleugbar.Giesebrecht (IV, 396 398) urtheilt sehr ungünstig über diesesBuch; er sagt: 'Jeder, der ein ernstes Studium diesem Buche zu-wendet, mufs zu dem Resultate kommen, dafs er reich an Flüchtig-keiten, nichts weniger als ein Muster historischer Composition undüberdies in einer ganz bestimmten Tendenz abgefafst ist'. Gegendieses scharfe Urtheil hat Lüdecke 3 ) Einsprache erhoben, und dieguten Seiten mehr hervorgehoben; ich kann jedoch nicht finden,dafs er dasselbe und dessen weitere Motivierung bei Giesebrechteigentlich widerlegt habe. Sowohl die adulatorische Rücksicht aufFriedrich und sein Haus, wie die Uebergehung wichtiger Thatsachen,die ihm in seine Darstellung nicht pafsten, sind unverkennbar, undebenso deutlich ist die Ungenauigkeit, mit welcher er die wichtigenActenstücke, welche zu seiner Kenntnifs gekommen waren, benutzte.Er hatte offenbar freieste Einsicht in den Bestand der Kaiserkanzlei;anderes boten seine eigene und seiner Collegen Correspondenzen,und was er bei dem Generalcapitel seines Ordens kennen lernte,oder die Ordensbrüder aus Frankreich mitbrachten. Für ihn warendie Streitigkeiten seines Lehrers Gilbertus Porretanus, zu dessenvermittelnder Richtung er sich vorzüglich hingezogen fühlte, mit dem

*) Ueber die verschiedenen Recensionen u. die neue Ausgabe vonWaitz s. unten S. 283.

2 ) Boehmer-Ficker, Acta Imperii Selecta p. 117. Kaiser-Urk. in Abbild.Lief. X, Taf. 11, u. dazu der Text von Sehum. S. 391 ff. Die Benutzung istsehr ungenau.

3 ) Der historische "Werth des ersten Buches von 0. v. Fr. Gesta Fri-derici. Von Willy Lüdecke. Diss. Hai. 1884. Forts, als wissenschaftl.Beilage zum Progr. des Gymn. zu Stendal 1885.