276 V. Staufer. § 4. Otto von Freising und seine Fortsetzer.
Compilatoren benutzt und ausgeschrieben, und hatte grofsen Ein-flufs auf die Auffassung der Geschichte. In dieser berührte sichOtto mit den alten Chronisten der merowingischen Zeit; er selbstaber blieb nicht dabei stehen, sondern wandte sich davon ab, alsmit Friedrichs Auftreten alles eine andere Gestalt gewann. ImJahre 1157 x ) übersandte Otto seinem Neffen, dem Kaiser, auf dessenWunsch durch seinen Notar Rahewin und den Abt Eapoto vonWeihenstephan die Chronik, welche inzwischen einige Aenderungenund Zusätze erhalten hatte, jedoch weder fortgesetzt noch in Hin-sicht ihrer Grundgedanken verändert war 3 ). Er schrieb dabei, dafser sie in der Bitterkeit seiner Seele verfafst habe, verleitet durchdie trübe Zeit, welche Friedrichs Regierung vorhergegangen sei 3 );jetzt aber, da der Friede hergestellt sei, da eine bessere Zeit be-gonnen habe, sei er bereit auch diese zu beschreiben, wenn derKaiser es wünsche und wenn er ihm durch seine Notare das Ma-terial dazu schicken wolle. Und Friedrich ging hierauf wirklichein; wir besitzen noch seinen Brief, in welchem er einen gedrängtenUeberblick seiner Thaten bis zum September 1156 an Otto sendet,um diesen in seiner Geschichte weiter auszuführen. Wir könnendiesen Brief gewissermafsen als den Text betrachten, den Ottoseinem neuen Werke, mit Ausnahme des ersten Buches, zu Grundelegte, welches er nicht vor dem Sommer 1157 begonnen hat, undvor den neuen Störungen des Friedens im Sommer 1158 beendigthaben mufs 4 ). Es ist das Buch von den Thaten des Kaisers
von unseren Handschriften abweichenden Text hat. — Ueber den Berichtdes ep. Gabulensis Chron. VII, 33 s. Fr. Zarncke, Comm. in qua quisfuerit, qui primus presb. Johannes vocatus sit, quaeritur (Leipz. Doctoren-Programm 1875); Bruun in d. Zeitsch. d. Berl. Ges. f. Erdkunde XI (1876)S. 280; Zarncke, Der Priester Johann, I. Abb. S. 21. — Zur Kritik d.Nachrichten über d. 2. Kreuzzug auch die Analecten zur Gesch. d. 2. Kreuz-zugs von B. Kugler (Tüb. Verz. d. Doctoren 1876—7) mit lebhafter Polemikgegen Giesebrecht.
*) Nicht 1156, wie Hans Jungfer nachgewiesen hat: Untersuchung derNachrichten über Friedrichs I griech. u. norm. Politik (Berlin 1874) S. 45.Otto bezieht sich nämlich dabei auf den Brief II, 30, der nach Verglei-chung mit Wibaldi ep. 456 vom Apr. 1157 ist. Deshalb ist auch dieAntwort später anzusetzen. Freilich ist es, wie Waitz bemerkt (Praef.p. XIII n. 4) auffallend, dafs der kais. Bericht nur bis zum Sept. 1156 reicht.
2 ) Wilmans SS. XX, 110, rechnet auch den Ausfall gegen die Wit-telsbacher VI, 20 zu den Zusätzen, nämlich nach der Mifshandlung von1150 geschrieben. Möglich, obgleich nicht bewiesen. Auf jeden Fall wirder ihn nicht jetzt erst für den Kaiser eingeschoben haben, wie man ausWilmans Worten entnehmen könnte.
3 ) Ex amaritudine animae, nubilosi temporis quod ante vos fuit turbu-lentia inductus.
4 ) Lüdecke, Diss. p. 10. mit Grotefend.