Druckschrift 
2 (1894)
Entstehung
Seite
273
Einzelbild herunterladen
 

Otto von Freising. 273*

her 1 ), vornehmlich aber brachte er die Freisinger Schule zu hohemAnsehen. Es war die aristotelische Philosophie, welche er hiervorzüglich lehrte und lehren liefs als einer der ersten in Deutsch-land. Die Disputationen der Pariser Scholastiker wurden durch ihnauch in Freising heimisch, wie es sein Schüler Rahewin in seinerTodtenklage beschreibt 2 ). Auch die grammatischen Studien mit derdarin vorwaltenden etymologischen und mythologischen Gelehrsam-keit, wie sie uns aus allen Commentaren dieser Zeit entgegentritt,werden nicht vernachlässigt sein; wir finden ihre Spuren häufiggenug in Ottos Werken. Seine Sprache stellt ihn den bestenSchriftstellern des Mittelalters zur Seite; doch fehlt es auch nichtan Soloecismen, wie er den z. B. nach mittelalterlicher Weise seufür et gebraucht.

Otto war natürlich als Bischof und Fürst des Reiches, beson-ders aber als Halbbruder des Königs Konrad und Oheim Friedrichsvollständig eingeweiht in die wichtigsten Verhältnisse des Reichesund der Regierung. Den König Konrad begleitete er auf seinemunglücklichen Kreuzzuge, scheint aber ihm nicht persönlich nahegestanden zu haben, vielmehr ihm zeitweise entfremdet gewesen zusein 3 ). Um so mehr nahm er unter Friedrich an allen bedeutendenVerhandlungen Theil, und wirkte wo er konnte vermittelnd undversöhnend; bei dem Vergleich 1156 mit Heinrich dem Löwen er-wähnt er es ausdrücklich. Der fanatische Eifer Bernhards vonClairvaux war nicht nach seinem Sinn, und in dem ihn tief betrü-benden Zerwürfnifs mit dem Pabst gelang es ihm, einen Ausgleichherbeizuführen, in Augsburg 1158, wo das Heer sich zum Feldzugenach Italien sammelte. Otto, der sich krank fühlte, erbat seineEntlassung, und begab sich zum Generalcapitel seines Ordens.Auf dieser Reise besuchte er sein Kloster Morimund, und hier starber am 21. September 1158, noch nicht 50 Jahre alt, nachdem ernoch vorher sein letztes Werk den Brüdern übergeben hatte, mitder Bitte darin zu ändern, was vielleicht in seinen Aeufserungenüber die Lehre des Gilbert von Poitiers jemandem Anstofs gebenkönnte.

1 ) So in Seheftlarn, wofür er in einer Erweiterung des Epitaphs ge-priesen wird, bei W. Meyer, Theophilussage S. 16.

2 ) Hujus in te studio Studium vigebat.

Grata disceptatio plures acuebat.....

Ipse dedit strepere logicum tumultum.

Vgl. auch Wilnians S. 96 über die ihm bekannte vollständigere Ueber-setzung des Aristoteles.

3 ) So Wilmans, dem freilich Grotefend widerspricht.Wattenbach, Geschichtsiinellen II. 6. Aufl. 18