272 V. Staufer. § 4. Otto von Freising und seine Fortsetzer.
und seine Begleiter, dafs sie alle das weifse Kleid des neuen Ordensannahmen, ein grofser Entschlufs, da noch die Strenge desselbenungemildert und der Unterschied zwischen einem Cistercienser Mönchund einem vornehmen Weltgeistlichen aufserordentlich grofs war 1 ).Nach einiger Zeit wurde Otto in Morimund zum Abt erwählt, dochhat er diese Würde nur kurze Zeit. bekleidet, da ihn gegen dasEnde des Jahres 1137 die Freisinger Kirche zum Bischof wählte 2 ).Dieses Amt verwaltete er von nun an bis zu seinem Tode zwanzigJahre lang mit der gröfsten Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt. Erfand die Kirche in tiefem Verfall, innerlich und äufserlich zerrüttetdurch die Folgen des unseligen Investiturstreites; die Güter warenverschleudert, die Geistlichkeit verwildert. Da war nun Otto unab-lässig und mit gutem Erfolge bemüht, den alten Glanz der Kircheherzustellen; er machte ihre Rechte wieder geltend und liefs sichdurch keinen Widerstand des Adels, welcher die Besitzungen ansich gerissen hatte, einschüchtern. Besonders von den Witteis-bachern, vom Pfalzgrafen Otto, dem Schirmvogt des Stiftes, erfuhrer erbitterte Feindseligkeiten, die bis zu Mifshandlungen führten;seine Chronik (VI, 20) vergilt es ihnen, und zwar in einer Weise,die bei seiner sonst überall sich gleich bleibenden ruhigen Mäfsi-gung sehr auffallend ist: man erkennt daran mit welcher Erbitte-rung der Kampf geführt wurde. Als später die Witteisbacher inBayern zur Herrschaft kamen, wurde die anstöfsige Stelle iu meh-reren Handschriften geändert 3 ); den älteren Ausgaben aber liegteine andere Handschrift zu Grunde, welche von keiner wittelsbachi-schen Hand berührt war. Doch ist sie darum eben so wenig freivon späteren Aenderungen; auch die Weifen nahmen an mehrerenStellen der Chronik Anstofs und ihnen zu Liebe waren diese schonfrüher verfälscht worden, wie das von Wilmans nachgewiesen wor-den ist.
Neben der Sorge für den äufseren Bestand seiner Kirche liefssich Otto auch ihre innerliche Erneuung ernstlich angelegen sein;er reformierte die Klöster und stellte überall Zucht und Ordnung
') 1133 war er urkundlich Mönch.
3 ) Ob er gleich nach Heinrichs Tod (9. Oct. 1137) gewählt und obnicht ein Zwiespalt eingetreten ist, bleibt freilich zweifelhaft. Nach Gest.IV, 11 mufs er einige Zeit Abt von Morimund gewesen sein. Von demzweifelhaften Bisch. Matheus handelt Gr. Hundt, Bayer. Urkk. aus dem 11u. 12. Jahrh. Abh. d. Münch. Akad. 3. Cl. XIV, 2, S. 62 — 64, aber ohneResultat.
3 ) Wilmans vermuthet in Conradus Sacrista den Urheber, aber Waitz,SS. XXIV, 314, Anm. 4, hat sich dagegen ausgesprochen.