270 V. Staufer. § 3. Albero. Wibald.
stellt ist die schon früher (I, 254) erwähnte verbesserte Ausgabeder Annalen von Corvey, welche 1117 abgebrochen waren. Dieseenthielten um 1147 einige Zusätze und eine ausführliche, aber ingesuchter Schreibart und ungrammatisch, nicht immer verständlichverfafste Erzählung über die Zerstörung von Eresburg und den Abts-wechsel nebst den damit verbundenen Ereignissen. Diese auf denRand geschriebene Erweiterung der alten Annalen hat Jaffe zurUnterscheidung als Chronographus Corbejensis bezeichnet.
Im Jahr 1114 hatte Herzog Lothar einen siegreichen Feldzuggegen die Wenden geführt, welcher bei den Corveyern Erinnerungenan einstige Missionsbestrebungen ihrer Vorfahren auffrischte; siehatten nach Rügen die Verehrung Sanct Vits gebracht, den die Be-wohner, wie wir Helmold wohl glauben müssen, in einen GötzenSwantewit umgestaltet hatten, welcher anderswo nicht vorkommt.Wirkliche oder vermeintliche Ansprüche, welche sich daran knüpf-ten, fanden Ausdruck nicht nur in Eintragungen in die Annalen,sondern auch in einer untergeschobenen Schenkung des Kaisers Lothar.Wibald hat bei Gelegenheit des Kreuzzuges 1147 versucht, diesezur Geltung zu bringen; der Chronograph redet davon, und auchin dem bis 1146 fortgeführten Abtcatalog findet sich eine Erwäh-nung 1 ).
Sehr verdient machte sich der Probst Adalbert (urkundlichnachweisbar 1147—1176) durch Besorgung der kostbaren Hand-schrift, in welche das Verzeichnifs der Wohlthäter des Klosters undder Aebte eingetragen wurde; ehe sie vollendet war, starb Wibaldam 19. Juli 1158 2 ). Wibalds eigene Bemühungen für die Bereiche-rung der Klosterbibliothek sind aus seinen Briefen ersichtlich; vor-züglich wünschte er, alle erreichbaren Werke Ciceros .in einergrofsen Handschrift zu vereinigen, und die Frucht dieses Strebensliegt uns in dem Riesencodex der Berliner Bibliothek vor 3 ). Auch
d'art et d'archeol. XXI, 213 bis 233. L. ManD, Wibald nach seiner poli-tischen Thätigkeit (Diss. Hai. 1875) betont seine stark curialistische Haltung,Ueber den Streit um den Besitz von Kemnaten u. die Purpur-UrkundeP. Kehr, NA. XV, 362—391; Mitth. d. Inst. XIII, 626 ff. (gegen die vonIlgen behauptete Unechtheit von Konr. HI 3544 St.) — Nach Sackur scheintW. bei den Urkundenfälschungen von Waulsort seine Hand im Spiel ge-habt zu haben, oben S. 153.
*) Wilmans Kaiserurkunden I, 94. 113. Ueber den Catalogus abbatumoben I, 255, vgl. Wilmans S. 511.
a ) Wilmans S. 111.
3 ) Wattenbach, Schriftwesen, 2. Ausg. S. 454. Die Beischriften derFiguren sind bedeutend jünger, und das Adalbertus abbas über dem dar-bringenden Abt beweist deshalb nichts. Vorne in der Handschrift be-findet sich eine merkwürdige Zollrolle des Coblenzer Rheinzolls, s. Anz.