268 V - Staufer. § 3. Albero. Wibald.
seines Nachfolgers Hillin geschrieben ist, eine warme lebensvolleSchilderung, die uns den Mann zeigt, als ob er vor uns stünde,gänzlich frei von allem mönchischen Geiste und daher ein höchstmerkwürdiges Seitenstück zu dem Leben Norberts 1 ).
Im ganzen sind aber doch die Quellen für Lothars und Kon-rads Zeit wenig genügend, und um so mehr verlangt uns nach Er-gänzung dessen, was die Schriftsteller uns bieten, • aus Urkundenund Briefen. Die früher erwähnte Sammlung des Udalrich vonBamberg reicht nur bis 1134. Auf Lothars Zeit schien ein uner-wartetes Licht zu fallen aus einigen von Kortüm zuerst herausgege-benen Briefen, allein bei näherer Prüfung hat sich ergeben, dafe esnur Musterarbeiten sind aus einer lombardischen Schule für Notareund Dictatoren, wie man sie damals nannte, nicht unbrauchbar umdie Verhältnisse der Zeit kennen zu lernen und für Sittengeschichteinteressant, aber nicht als authentische Documente zu betrachten 3 ).Dagegen ist eine Gruppe von Briefen aus dem Ambrosiuskloster zuMailand nicht ohne geschichtlichen Werth 3 ); die meisten sind vonGebehard und Paulus an den Probst Martin gerichtet. Sie suchenfür ihn nach Schriften des h. Ambrosius und verlangen nach derambrosianischen Liturgie; die Occupation Mailands durch den Gegen-könig Konrad (1128) wird erwähnt und der Anmarsch der Böhmengegen Regensburg (1145); auch von italienischen Werkleuten ist dieRede, welche in Regensburg Beschäftigung finden. Ueber die Brief-steller selbst haben die Forschungen und Combinationen von Wat-terich 4 ), J. May 5 ), und vorzüglich von Max Herrmann 6 ) immer hel-leres Licht verbreitet. Paulus und sein Zögling Gebhard, ein vor-
') Gesta Alberonis auct. Balderico, ed. Waitz, MG. SS. VIII, 243 bis260. Ziemlich verunglückt ist ein Lobgedicht auf Albero, das noch beiseinen Lebzeiten geschrieben ist, in schlechten Hexametern und fehler-hafter Sprache, ib. 236—242. Vgl. Rodger Prümers, Albero von Mon-treal, Gott. 1874; Victor Huyskens, A. v. M. I Th. Münst. Diss. 1879. weistbes. in d. früheren Zeit Ungenauigkeiten nach. — Notiz über die Ein-weihung der Kirche zu Springirsbach 1136 durch Albero, MG. SS. XV, 2,1315.
2 ) S. Wattenbach, Iter Austriacum, im Arch. d. W. Ak. XIV, wo auchandere verwandte Sammlungen besprochen sind. Ein dort übersehenesTuriner Bruchstück derselben Sammlung bei Pasini II, 224, und besserForschungen VIII, 392, vgl. 651. Giesebr. IV, 410; Bernhardi, Lothar,S. 831—833.
3 ) Zerstreut bei Puricelli u. bei Mabillon, Mus. Ital. I, 2, 93—99, dersie irrig in die Zeit Konrads II setzte, Sormani Apologismorum Mediol. I,41—48, und v. Pflugk-Harttung, Iter Ital. p. 472—480, welcher 6 neue bringt.
4 ) Vitae Rom. Pontificum I, p. C—CV.
5 ) NA. XII, 335-352.
6 ) NA. XIV, 565-588.