Der Sächsische Annalist. 257
menen Verhältnifs auch geschichtliche Nachrichten in unbegreiflicherWeise übergangen haben müfste; er glaubte deshalb nicht einenreicheren Inhalt der verlorenen Quelle, sondern selbständige Ver-mehrung durch den Poehlder Annalisten annehmen zu müssen.
Ueber die sächsischen Klöster hat der Annalist viel gesammeltwas ihm eigenthümlich ist; auch benutzte er (bis 1113 nachweisbar)jene Halberstädter Quelle (I, 345), welche Scheffer-Boichort, derzuerst sie nachwies 1 ), als Annalen bezeichnete, während Weilandvielmehr eine Bisthumschronik vermuthet, welche mit den Quedlin-burger Annalen und Thietmar, vielleicht auch Erfurter Annalen undEkkehard verschmolzen und bis auf Lothars Tod fortgeführt war;aufser dem Annalisten nur noch im Chron. Halb, auszugsweise er-halten 2 ). Die Geschichte der Bischöfe von Halberstadt berücksich-tigt der Annalist mit solcher Vorliebe, dafs Waitz deshalb vermu-thet, er selbst habe dieser Kirche angehört 3 ). Besonderen Fleifshat er auch auf die Genealogie der bedeutenderen sächsischen Fa-milien verwandt, und diese aus mündlicher Mittheilung geschöpften
») Forschungen XI, 498-506.
2 ) Zu den Quellen des Ann. Saxo gehört auch ein Pabstcatalog mitden gewöhnlichen Nachrichten über die Constitutionen der einzelnen Päbstebis auf Formosus, dessen Geschichte aus Liudprand abgeschrieben ist,weshalb Flacius das ganze Werk dem Liudprand zuschrieb, und Busaeus,obgleich er die Wahrheit erkannte und in der Vorrede nachwies, es unterdem Titel: Luitprandi Ticinensis diac. opus de vitis Romanorum pontificum,Mog. 1602 in quarto herausgab. Eine in den Text bei Hadrian II gera-thene Glosse über die sächsischen Zehnten scheint auf Hersfeld, als dieHeimath der Handschrift, zu führen, und die wenigen eigenthümlichen Zu-sätze betreffen Sachsen; vgl. Waitz, Verfassungsgesch. III, 149. WilmansKaiserurkk. S. 129, 371, erweist Benutzung der Corveyer und OsnabrückerFälschungen und deshalb Entstehung nach 1077. Scheffer-Boichorst da-gegen, Mitth. d. Inst. Erg. Bd. IV, S. 90—94, beschränkt die Quellen aufHersfeld u. Osnabrück. — Die irrthümlich für alt gehaltene Narratio defundatione guarundam Saxoniae ecclesiarum weist Waitz in den Gott. Nach-richten 1857 S. 63 als sehr spät entstanden nach.
3 ) Namentlich auch wegen der in seiner Originalhandschrift auf demRande eingetragenen Briefe und Urkunden, die sich fast alle auf Halber-stadt beziehen; vgl. Forsch. XI, 504. Sie sind in der Ausgabe fortgelassenund finden sich meistens bei Martene Coli. Ampi. I, und jetzt bei Jaffe,Bibl. III u. V, s. V, 470. L. v. Ledebur (Anz. d. Germ. Mus. 1860 Sp. 43)möchte ihn nach Nienburg setzen (u. ebenso O. v. Heinemann, Markgr.Gero S. 129) und ihm auch das merkw. Nienburger Fragment überdie Besitzungen des Klosters in der Lausitz zuschreiben, doch ist diesesin der Form zu barbarisch. Herausgegeben ist es von Kindscher im Anz.1859 Sp. 361, und im N. Laus. Magazin XXXVLI, 148, cf. XL, 513 undH. Feehner in den Forschungen V, 540—547. Die Beziehungen auf Nien-burg erklären sich durch die oben S. 255 bezeichnete Quelle. Ueber diejetzt in Zerbst befindliche Hs. s. H. Zurborg im Zerbster Gymn. Progr.1879, S. 15.
Wattenbach, Geschichtsquellen II. 6. Aufl. 17