Annales Lothariani. * Fabeln. 253
vermehrte man ihn mit Zusätzen aus Lamberts Annalen 1 ) und einigenandern, und setzte als Fortsetzung aus jenem Annalenwerk das Stückvon 1125 bis 1137 hinzu. Einige der Interpolationen aber (zu 1078,1081) sind aus dem nach Erfurt gekommenen Exemplar der AnnalesWirziburgenses genommen, was die Vermuthung begründet, dafs dasAnnalenwerk von 1104 bis 1149 (oben S. 200) an jene WürzburgerAnnalen angeschlossen war. Obgleich es keinen localen Charakterhat, zeigen doch einige Nachrichten auffallende Uebereinstimmungmit kurzen Notizen, die von verschiedenen Händen in die AnnalesS. Petri antiqui eingetragen sind, wodurch die Entstehung, mindestensdie Redaction des Werks, so weit es uns aus den Ableitungenbekannt ist, im Peterskloster gesichert erscheint, wenn auch viel-leicht auswärtiges Material darin benutzt ist. Weiter als bis zuLothars Tode scheinen die Annalen ursprünglich nicht gereicht zuhaben, und als man sie fortsetzte, war doch von einer Reichs-geschichte in der früheren Weise nicht mehr die Rede. Ganz die-selbe Erscheinung haben wir bei den Paderborner Annalen(S. 40), die überhaupt ein merkwürdiges Gegenstück bilden. Es istkein Zufall, dafs es keine Darstellung dieser Art aus Konrads Zeitgiebt: der rasche Wechsel der herrschenden Familie erschüttertedas Reich zu sehr, und es fand sich keine Feder für eine Reichs-geschichte, die es gar nicht gab.
Eine nicht unwichtige Quelle für Lothars Auftreten in Italien,die Cassineser Chronik des Petrus Diaconus, wurde schon frühererwähnt; in Sachsen sind aufser den eben erwähnten Annalen nochandere entstanden, aber leider auch nur theilweise und mangelhaftuns erhalten. Mit Zurechnung der schon S. 84 erwähnten Rosen-felder Annalen erscheint diese Thätigkeit wahrhaft staunenswerth.Wieder wie zur Zeit der Ottonen, führte die Gelangung des Sachsen-herzogs zur Krone auch zu lebhafterer Beschäftigung mit der Reichs-geschichte. Mancherlei erzählte man sich im Volk von den altenHerrschern, von den glorreichen Vorfahren und der Bosheit derFranken, auch Gregor VII war bereits der geschäftigen Sage ver-fallen und die Schandgeschichten, welche einst die Pfaffen Heinrich IVaugehängt hatten, wucherten noch fort. Das waren die Elemente,aus welchen um diese Zeit eine Kaisergeschichte zusammen-gesetzt wurde, lauter Dinge, von denen in den ernsthaften altenJahrbüchern nichts zu finden war; es mag auch sein, dafs kein be-
') NA. XIX, 159. Die Zusätze und die Fortsetzung des cod. Goth.Ekkei. wird Holder-Egger als Auctarium und Continuatio S. Petri Erphes-furtensis herausgeben.