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2 (1894)
Entstehung
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236
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236 IV. Salier. § 32. Unteritalien.

Zweck nöthig war. Für die Hausgeschiehte des Klosters hat ereinige eigenthümliche Nachrichten schon aus der älteren Zeit; imzehnten Jahrhundert werden sie reichlicher, und je weiter die Er-zählung fortschreitet, desto klarer und vollständiger liegt die Ge-schichte des Klosters vor uns; im dritten Buche ist das Lebenund Wirken des Desiderius mit eben so viel Wärme und Liebe wiegenauer Kenntnifs dargestellt. Der Ausdruck ist einfach und derSache angemessen; die verschiedenen Handschriften, deren ältestevon Leos eigener Hand ist und nur bis 1057 reicht, zeigen unsdeutlich, wie er fortwährend an der Form änderte und nachbesserte,während er sachlich einschaltete, was er neues in Urkunden undanderen Schriften fand; namentlich hat er die Geschichte der Nor-mannen von Amatus erst bei der letzten Bearbeitung seines Werkesbenutzt. Es giebt wohl keine andere Klostergeschichte, welche mitgleicher Kunst und Sorgfalt gearbeitet ist. Zuverlässig ist sie inhohem Grade und in der Beurtheilung des Geschehenen spricht sichüberall ein gerechter und leidenschaftsloser Sinn aus.

Diese guten Eigenschaften des Leo von Ostia treten um sobesser hervor, da sein Fortsetzer ganz das Widerspiel von ihm war.

Petrus Diaconus, aus dem vornehmen Hause der Grafen vonTusculum 1 ), die ihr Geschlecht von den Juliern herleiteten, wurde1115 als Knabe dem Kloster übergeben und genofs hier besondersden Unterricht des Guido, welcher die Yision des Albericus auf-geschrieben und aufserdem eine leider verlorene Geschichte KaiserHeinrichs IV verfafst hat. Auch schreibt Petrus ihm eine Fort-setzung der Cassineser Chronik zu, die er selbst vielleicht benutzthaben mag. Ihm wurde wie Leo das Archiv des Klosters übergeben,und hier hat er sich verdient gemacht durch die Anfertigung seinesRegistrum, welches die zahlreichen Urkunden des Klosters in Ab-schriften enthält, wie es denn überhaupt Petrus an Fleifs nichtfehlte. Wäre nur seine Wahrheitsliebe eben so grofs gewesen! Aberder Hauptzug seines Wesens war Eitelkeit, Eitelkeit auf seinePerson, auf seine Abkunft und auf sein Kloster. Die ehrwürdigeVergangenheit von Monte Cassino genügte ihm nicht, der h. Benedictselber mufste ein Vetter des Kaisers Justinian gewesen sein, undeine Reihe abgeschmackter Briefe und Urkunden, welche sich daranknüpften, fand ihren Platz theils im Registrum, theils in einemanderen Werke über den h. Placidus, Benedicts Schüler. Denn

x ) S. über diese Tomasetti, Della campagna Romana, Arch. della Soc.Eom. IX, S. 81 ff.