Monte Cassmo. Leo von Ostia. 235
Geschichte des Klosters zu schreiben. Daran machte sich Leo jetztwirklich mit gröfstem Fleifse, und auch seine Erhebung zum Cardinal-bischof von Ostia im Anfange des zwölften Jahrhunderts scheint dieArbeit noch nicht unterbrochen zu haben. Doch nahmen ihn,namentlich nachdem der Streit zwischen Heinrich V und Paschalis IIausgebrochen war, die Weltbegebenheiten wohl zu sehr in Anspruch,als dafs er viel Mufse zum Schreiben hätte finden können; er gehörtezu den eifrigsten Gegnern des Kaisers, welche von keinem Friedenwissen wollten. Gestorben ist er in den Jahren 1115, 1116 oder1117 am 22. Mai.
Unschätzbar würde seine Chronik 1 ) sein, wenn er sie bis zuden Zeiten Heinrichs V fortgeführt hätte; leider reicht sie aber nurbis 1075, wo sie mitten in der Beschreibung der von Desideriusneu erbauten und eben damals geweihten Klosterkirche abbricht.Deshalb ist ihre Bedeutung für die allgemeine Geschichte nur ge-ring, und selbst für die unteritalischen Verhältnisse und die frühereGeschichte des Klosters nicht so gar grofs, weil uns die von Leobenutzten Quellen und die Cassineser Urkunden, aus denen er mitdem mühsamsten Fleifse schöpfte, noch jetzt vorliegen 2 ). Es warihm ausdrücklich aufgetragen, die verschiedenen Erwerbungen desKlosters genau zu verzeichnen und die Rechtstitel nachzuweisen;dieses und die übrige Klostergeschichte ist ihm die Hauptsache, undals Schriftsteller kann man ihn nur loben, weil er überall sorgfältigdas richtige Maafs beobachtet und von den ferner liegenden Ereig-nissen, von Kaisern und Päbsten nicht mehr berichtet, als für seinen
') Leonis Marsicani et Petri Diaconi Chronica monasterü Casinensis ed.W. Wattenbach MG. SS. VH, 551 — 844. Im Kloster hiefs die-ChronikLegenda S. Benedicti longa, Ambrosii Camaldul. epp. p. 367. Tosti. Bibl.Cas. I p. XXV bezweifelt, dafs die Münchener Hs. autograph sei, übersiehtaber, dafs sie nur ein Entwurf ist und man im Kloster eine Reinschriftals Original bewahrt haben mufs. Nach p. XXVI hat Friderici den Cod.Velitr. gehabt, es ist aber von ihm keine Aufzeichnung über die darin ent-haltene Chronik vorhanden. 2 S. Facs. des Cod. Monac. in Arndts Schriftt.32 (34). Ueber den Cod. Casin. 202, Bibl. Casin. IV, 147—160 m. Facs. u.Collation. Hs. in Maihingen, NA. VII, 174. Frgm. s. XII, litt. Langob. (II,c. 32—34) Delisle, Melanges de Paleogr. p. 427. Aus einer Florent. Hs.,welche die stilistische Bearbeitung durch Anibr. Traversari enthält, ist dasverstümmelte Cap. III, 49 des Petrus D. ergänzt NA. IV, 408. — InS. Michael in Hildesheim ist einst eine Hs. gewesen, Arch. VIII, 641.
2 ) "Waitz bemerkt, dafs er auch die vorzüglich aus den Gestis Pontificumgeschöpfte Contin. Pauli D. Casinensis benutzt hat. Ueber die Benutzungalter Cassin. Annalen s. die vorher angeführte Diss. von F. Hirsch. Ueberdie Guälani d. i. BciQciyyoi s. Kunik in Dorns Caspia (Mem. de l'Acad. deSt. Petersb. 7. Serie, XXIII, 1. 1875) S. 376—378. 406—409, wo auch dieGuandali der Ann. Bar. 1027 so erklärt werden.