Druckschrift 
2 (1894)
Entstehung
Seite
237
Einzelbild herunterladen
 

Petras Diaconus Casinensis. 237

dieser mufste sich ganz besonders zum Träger des Fabelgebäudeshergeben in einer Legende, die Petrus dem Gordian, einem Genossendes Piacidus unterschob und aus dem Griechischen übersetzt habenwollte, wahrscheinlich aber selbst erfunden hat. Und obgleich erdie wahre Geschichte des Klosters von Leo nicht zu verfälschenwagte, so ist er doch wahrscheinlich der Verfertiger einer falschenUrgeschichte von Monte Cassino unter dem Namen des Anastasius 1 ).Noch vieles andere hat er geschrieben, ein Büchlein de locissanctis 2 ), welches er Wibald widmete, Heiligenleben und Bücherüber die frommen und gelehrten Cassineser Mönche 3 ); diese habenetwas mehr Werth, aber nachlässig und unzuverlässig ist alles, wasvon Petrus stammt. Das mindert denn auch sehr den Nutzen seinerFortsetzung der Cassineser Chronik, welche er auf Antrieb des AbtesRainald um das Jahr 1140 verfafste. Sie ist sehr ungleich ge-schrieben, bald sehr ausführlich, bald kurz über wichtige Dinge,enthält aber doch manche dankenswerthe Nachricht über dieseZeiten, wo der Abt Desiderius unter den schwierigsten VerhältnissenGregors VII Nachfolger wurde und später das Kloster auf SeitenAnaclets stand. Am ausführlichsten ist die Anwesenheit Lothars(1137) behandelt, und die vor ihm und Innocenz II geführten Ver-handlungen über das Verhältnifs des Klosters zu Kaiser und Pabst;Petrus selber war es, der hier mit seinen echten und falschenPrivilegien auftrat und siegreich die Freiheiten der Abtei vertrat.Der alte Kaiser fafste eine besondere Zuneigung zu ihm und ehrteihn durch allerlei Titel, wenn wir Petrus so weit trauen dürfen.Denn das ist eben das mifsliche bei diesen Nachrichten, dafs wirsie nur von Petrus haben und diesem kein Wort mit Zuversicht zuglauben ist 4 ).

') Anastasü Chronicon Casinense bei Muratori II, 249. Schon MabillonActt. II, 330 ed. Ven. hält Petrus D. für den Verfasser. Ebenso schlechtund unbrauchbar ist der auf Anhalten des k. Kanzlers Redulf von ihm zu-sammengestellte und König Konrad übersandte liber notarum, zuerst inechter Üngestalt bei Mommsen, Notarum Laterc. p. 221346 (Gramm, latt.ed. Keil IV).

2 ) S. Hilarii tractatus de mysteriis et hymni et S. Silviae Aquitanaeperegrinatio ad loca sancta. Quae inedita ex cod. Arretino deprompsitJoh. Fr. Gamurrini. Accedit Petri D. liber de locis sanctis. Romae 1887,4. Er allein hat die merkwürdige Pilgerfahrt der Silvia von 388 benutzt,aber auch ungenau.

3 ) Liber illustrium virorum Casinensis archisterii, gedruckt u. a. in derBibliotheca eccl. von Fabricius und bei Muratori SS. VI, 9. Ortus et vitaJustorum Casinensis monasterii bei A. Mai, Nova Collectio VP, 245. Catalo-gus abbatmn Casinensium bis auf "Wibald, mit einigen Bemerkungen, CaravitaI, 89-93.

4 ) Vgl. Giesebr. III, 1063 (1069); IV, 403. Nach dems. Gesetzgebung