20 IV. Salier. § 3. Altaich und Hildesheim. Godehard. Benno.
von Lindner und von Kurze 1 ), welche jenen Umstand vielmehr durchgedankenloses Ausschreiben der gröfseren Hildesheimer Annalen er-klären.
Abgesehen von dieser sachlich unwesentlichen Frage nach demVerfasser steht es fest, dafs als Grundlage der Arbeit vorzüglichdie Hersfelder Annalen bis 984 benutzt sind, für welche wir hierdie reichste Quelle haben (I, 341), nebst den Hildesheimer, und zwar,wie Brefslau nachgewiesen und Kurze bestätigt hat, in ihrer voll-ständigeren Gestalt; dazu Alamanniche Annalen, ebenfalls nicht inderselben Form, in welcher sie uns vorliegen, und einheimische Auf-zeichnungen, Baierische Annalen, von denen uns leider so wenigerhalten ist. Gelegentlich sind auch aus anderen Quellen einzelneNotizen entlehnt 2 ). Ob, wie Ehrenfeuchter 3 ) nachzuweisen sucht,auch aus der Fortsetzung des Regiuo und aus Thietmar einzelneStellen genommen sind, ist zweifelhaft; Kurze verwirft beides, undebenso L. Weiland. Dafs aus einem ausführlichen "Werke nur ein-zelne kurze Sätze entnommen werden, findet sich öfter in solchenAnnalen, und man darf nicht etwa einwenden, dafs der Verfasser,wenn er dieses Werk gekannt hätte, es stärker ausgenutzt habenwürde. Er schrieb eben für sein Kloster, und wenn man in diesemKloster ein solches gröfseres Geschichtswerk schon besafs, so erschienes uunöthig, dasselbe an diesem Orte auszuschreiben.
Was nun die Fortsetzung betrifft, so ist diese von ungemeinhohem Werthe. Schon unter Konrad II werden die selbständigenund eigenthümlichen Nachrichten reichlicher, und Heinrichs III Re-gierung ist in ausführlicher Erzählung dargestellt. Wir finden hierüber diese Zeiten vortreffliche Aufschlüsse und zwar gerade überdie Verhältnisse dieser Gegenden, über welche es sonst so sehr anQuellen mangelt, und über Heinrichs III Berührungen mit Ungernund Böhmen. Von 1054 an ist der Verfasser völlig selbständig,und über die ersten Zeiten Heinrichs IV gewährt er unerwarteteBlicke in das Treiben der Fürsten; der sonst so gepriesene Otto vonNordheim erscheint hier, wo man ihn näher kannte, in sehr un-günstigem Lichte. Das Reich ist der Mittelpunkt seiner Darstellung,indem er allen Bewegungen des Hofes folgt, und auch in der Artder Darstellung schliefst er sich der Weise der alten Annalisten an,
] ) Die Herzfelder und die gr. Hild. Jahrbb. bis 984 (Progr. d. Gymn.zu Stralsund 1892) S. 6.
a ) Die Notiz 857 über den Hund in der Trier Kirche findet sich,wie Dümmler bemerkt, fast gleichlautend in den Ann. Corbejenses.
3 ) Die Annalen von Nieder-Altaich, Göttingen 1870.