Annales Altabenses. 21
indem er in der Regel nur die Thatsachen reden läfst, und es ver-meidet, seine eigene Ansicht oder ein Urtheil über Personen undEreignisse auszusprechen.
Den Anstofs zur Geschichtschreibung gab hier offenbar, wieeinst in den sächsischen Klöstern, die nahe Beziehung, in welcherAltaich in dieser Zeit zur Reichsregierung stand. So wurde 1038der Altaicher Mönch Richer, schon früher zum Abt von Leno beiBrescia erhoben, zum Hersteller des sehr verwüsteten Klosters MonteCassino berufen; eine Aufgabe, die er in ausgezeichneter "Weise er-füllte, und es ist arg, dafs in den Annalen sein Tod nicht verzeich-net ist, da doch sonst die "Wechsel in geistlichen "Würden sorgsameingetragen sind. Richer aber übergab 1055 die Abtei Leno seinemKlosterbruder Wenzel, und dieser erhielt 1063 vom König die AbteiAltaich, welcher er bis zu seinem Tode 1068 vorstand. Diesenpreist der Annalist sehr; nicht minder aber auch den Bischof Gün-ther von Bamberg, dessen Tod auf der Pilgerfahrt 1065 überalltiefen Eindruck machte. "Wahrscheinlich ist auch der Verfasserselbst in Italien gewesen, was bei solchen Verbindungen nicht auf-fallen kann. Da ist es denn natürlich, dafs er uns von italienischenund kirchlichen Verhältnissen vielerlei zu berichten weifs, wie na-mentlich über die Synode von Mantua 1064, bei welcher der AbtWenzel zugegen war, diese Annalen unsere Hauptquelle sind. Deut-licher als früher ist nach 1060 kenntlich, dafs alles im Zusammen-hang und im Rückblick auf einen schon vergangenen Zeitraum ge-schrieben ist; auch fehlt es im Anfang nicht an Fehlern. Natürlichtreten hier trotz aller Loyalität lebhaftere Klagen über das Treibenam Hofe hervor, in dessen Verhältnisse der Verfasser jedoch wenigeingeweiht ist. Fast nur die anstöfsigen Verfügungen über geist-liche Würden werden erwähnt. Am Schlufs (1073) wird der Anlafszum Aufstand der Sachsen in einer für diese günstigen Auffassungberichtet; ob eine weitere Fortsetzung sich daran geschlossen hat,wissen wir nicht. Nirgends aber verräth sich eine Kenntnifs derfolgenden Ereignisse, und die Abfassung ist daher wohl in dieselbeZeit zu setzen.
Auch über diese Fortsetzungen sind sehr verschiedene Mei-nungen ausgesprochen. Darüber freilich ist man einverstanden, dafsnicht Jahr für Jahr die Nachrichten, wie sie dastehen, gleichzeitigaufgezeichnet sein können. Man hat aber versucht, Einschnitte zumachen, verschiedene Verfasser zu unterscheiden. Dagegen hältGiesebrecht diesen ganzen Theil von 1032 an, wegen der Gleich-artigkeit der Auffassung sowohl als der Ausdrucksweise für das