16 IV. Salier. § 2. Konrad II. Wipo.
schmähen. Da nun von einem solchen Werke nichts bekannt ist,dagegen aber Hermann dem Lahmen ein Werk über Konrad II undHeinrich III zugeschrieben wird, so hat Pertz die Vermuthung auf-gestellt, dafs wohl Wipo bald nach der Vollendung seines Haupt-werkes 1 ) gestorben sein, Hermann die hinterlassenen Aufzeichnungenüberarbeitet haben möge. Man hat eine Zeit lang auch geglaubt,Spuren dieses Werkes bei dem Sächsischen Annalisten und Chro-nographen nachweisen zu können. Allein diese ganze Hypotheseberuhte auf einem Irrthum. Von Hermann nämlich sagt sein ver-trauter Schüler Berthold: „Libellum hunc chronicorum ab incar-natione Domini usque ad annum suum undecunque laboriosa dili-gentia collegit; gesta quoque Chounradi et Heinrici imperatorumpulcherrime descripsit." Da fragt es sich zunächst, was denn der„annus suus" bedeuten soll, und ich denke, es ist die von ihmselbst erlebte Zeit: so weit hat Hermann die Geschichte mühsamaus vielen Quellen gesammelt. Davon aber unterscheidet Bertholddie weit ausführlicher behandelte Zeitgeschichte. Hermann starbja vor Heinrich III : wie hätte er dazu kommen sollen, aufser seinerChronik noch ein abgesondertes abgeschlossenes Buch über ihn zuschreiben? Einen weiteren Beweis dafür hat man freilich bei Ottovon Freising gefunden, der über Heinrich III VI, 33 sagt: „Tarnejus quam patris süi actus et virtutes Herimannus Contractus inlibello -*modam, quem ipsi destinavit, luculenter satis disseruit."Das pafst aber ganz genau auf Wipo, der ja auch Heinrichs IIIThaten berührt und das ausdrücklich als seine Absicht ausspricht,wie es auch im Titel der einzigen Handschrift steht. Otto hat dasBuch gehabt, nennt aber Wipo nicht; von der Benutzung einesanderen Werkes ist bei ihm keine Spur, und es ist daher nicht zubezweifeln, dafs er Hermann irrig für den Verfasser gehalten hat.Deshalb glaube ich, dafs die vielbesprochenen Gesta niemals ge-schrieben sind, sondern nur Wipos Vorarbeit, deren Geschick unsunbekannt ist.
Wipo erzählt, dafs Konrad im Jahre 1027 den Bischof Wern-her von Strafsburg nach Constantinopel sandte, einen gelehrtenMann, dem die Dombibliothek reiche Gaben verdankte 2 ), Uehex-
') Den Grund, weshalb Pertz hierfür 1048 oder 1049 annahm, wider-legt Steindorff, Forschungen VII, 563.
2 ) Darunter den berühmten Quintilian, Bandini II, 382; GermanieiCaosaris Aratea, s. die Ausgabe von A. Breysig, Berl. 1867 p. XVII. An-dere Arch. VIII, 461, in Strafsburg verbrannt, und in Bern, worunter 2Orosius; s. H. Ilagens Catal. S. 104. 108. 180. 236. Wimpheling (s. I, 399)nennt S. 39 die von ihm geschenkten Bücher, welche zu seiner Zeit noch