Druckschrift 
2 (1894)
Entstehung
Seite
15
Einzelbild herunterladen
 

Gesta Heinrici III. 15

fern hielt, und daher ist er nicht überall gleich gut unterrichtet;es ist nicht zu verwundern, dafs mancher Irrthum sich einge-schlichen hat 1 ). Im allgemeinen aber schreibt er mit vollständigerKenntnifs seines Gegenstandes und mit warmer Liebe zu seinemHelden. Doch ist er weit entfernt, ein blofser Lobredner zu sein;er berührt auch die Schwächen des Kaisers, wenn auch nur inschonender Andeutung, wie das in seinen Verhältnissen und in einemWerke, das dem Sohne und Nachfolger gewidmet war, nicht anderssein konnte.

Wir können wohl sagen, dafs Wipo seine Aufgabe gut gelösthat; er giebt uns freilich keine tiefer gehende geschichtliche Auf-fassung der damaligen Weltlage, des Verhältnisses des Kaisers zuden Fürsten und zur Kirche, der Deutschen zu ihren Nachbaren,aber er giebt uns ein frisches, lebensvolles Bild des thatkräftigen,verständigen und in jeder Beziehung tüchtigen Kaisers, der vorallem rücksichtslos das Recht handhabte und ganz für seinen hohenBeruf lebte, und das eben war Wipos Zweck und Absicht.

Eigentlich jedoch beabsichtigte er, die Thaten beider Herrscherin seinem Werke zu behandeln; darauf ist das Werk angelegt, dafürder Prolog geschrieben, nach Konrads Tod, aber vor HeinrichsKaiserkrönung. Dann aber hat er das Leben Konrads ausgesondertund Heinrich III, der nun (Weihn. 1046) Kaiser geworden war,überreicht. Damals sind einige kleine Zusätze gemacht, nicht ohnedadurch die Ordnung etwas zu stören, und ist die Zueignunggeschrieben, in welcher Heinrich als Kaiser angeredet wird 2 ). Be-kannt ist sein Werk nur wenig geworden; nur bei Otto von Freisingund bei dem Zwettler Fortsetzer der Annalen von Melk finden wires benutzt 3 ).

Wiederholt spricht Wipo die Absicht aus, auch Heinrichs IIIGeschichte zu schreiben; er sagt, dafs er fortwährend dafür sammele:wenn er als der früher geborene auch früher sterben werde, somöge ein anderer auf dieser Grundlage fortbauen. Er beschwörtseinen Nachfolger, den Grund, welchen er lege, nicht zu ver-

') So im Cap. 33; s. Waitz, Forsch. VII, 397401.

2 ) Giesebr. II, 5G2. Brefslau im NA. II, 590. Die nicht passendeUeberschrift der Widmung kann recht wohl aus den ersten Worten der-selben später ungeschickt entnommen sein.

3 ) Angeführt werden Getto, Chonradi bei dem Streit des Bischofs vonBasel mit St. Blasien unter Heinrich V (s. H. Brefslau, Diplomata C. p. 187),aber bei Wipo ist nichts darauf bezügliches zu finden, wie denn auchdamals St. Blasien noch nicht gestiftet war. Doch hält Brefslau in d. Vorr.d. Ausg. p. VIII daran fest, dafs Wipo gemeint sei; durch dessen Chrono-logie habe die Unechtheit des betr. Diploms erwiesen werden können.