Druckschrift 
2 (1894)
Entstehung
Seite
13
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Wipo. Seine Verse. Konrads Leben. 13

kommt "Wipo darauf zurück, dass Recht und Gesetz die wahreGrundlage des Thrones sind, wie er denn auch jene Ermahnungendem Gesetze selber in den Mund legt, und König Heinrich alsehrendsten Beinamen die Bezeichnung Richtschnur der Gerechtigkeit(Linea justitiae) beilegt. Mit "Wahrscheinlichkeit ist Wipo neuer-dings eine rhythmische lateinische Dichtung zu Ehren Konrads desSaliers zugeschrieben 1 ) und eine zweite ganz ähnlicher Art aufHeinrichs III Königskrönung 2 ); besonders schön und von wahremGefühl erfüllt ist endlich die Todtenklage um Kaiser Konrads Tod 3 ).Aufser diesen noch jetzt erhaltenen Gedichten hat aber "Wipoauch noch Konrads Winterfeldzug nach Burgund im Jahre 1033und seine Heldenthaten im Wendenlande 1035 besungen und einegröfsere Dichtung unter dem Titel Gallinarius verfafst, die sichebenfalls auf Konrad II bezog 4 ). Diese Schriften sind uns leideralle verloren; wir wissen davon nur, was Wipo selbst anführt, dermit einiger Selbstgefälligkeit ihrer gern gedenkt, indem er mit leich-tem Schleier den Verfasser nur als einen der Unsrigen bezeichnet.Mancher einzelne Vers, der mitten in Wipos Prosa vorkommt, magauch wohl aus diesen Dichtungen stammen; seine Vorliebe für sol-chen Schmuck tritt häufig hervor, sowie er auch seinen Geschmackan Sprichwörtern hier nicht verleugnet 5 ). Andererseits ahmt er

Tunc fac edictum per terram Teutonicorum,Quilibet ut dives sibi natos instruat omnesLitterulis, legemque suam persuadeat illis,Ut cum principibus placitandi venerit usus,Quisque suis libris exemplum proferat illis.Moribus his dudum vivebat Roma decenter,His studiis tantos potuit vincire tyrannos:Hoc servant Itali post prima crepundia cuncti,Et sudare scholis mandatur tota Juventus.Solis Teutonicis vacuum vel turpe videtur,Ut doceant aliquem nisi clerieus accipiatur.

1 ) Voces laudis, in der Cambridger Handschrift, von W. Arndt in derGott. Diss. (1861) Die Wahl Conrad II, S. 4652. Gedr. Opp. ed. Brefs-lau p. 78.

2 ) 0 rex regum aus ders. Hs. bei Brefslau p. 80.

3 ) Auch bei Schubiger S. 91. Pertz hat ihm auch den (verlorenen)Rhythmus auf den Ungernkrieg 1044: Vo.v haec melos pangat zugeschrie-ben, welchen Otto Fris. VI, 32 anführt u. Herrn. Contr. beilegt, und esspricht dafür, dafs Otto den Wipo nicht kennt und sein Werk Hermannzuschreibt, die Form aber für Wipo besser pafst. Von Strehlke u. Stein-dorff ist dagegen bemerkt, dafs Wipo es angeführt haben würde, wo ervon diesem Kriege spricht, aber das geschieht nur c. 1 in einer kurzeneingeschobenen Bemerkung.

4 ) Er führt daraus die vierte Satire an; Vita Chuonr. cap. 6.

5 ) Rhythmische Dichtungen geschichtlichen Inhalts sind aus diesemZeitalter wenig vorhanden: auf die Einnahme Roms 1084 Venite cuncti po-