290 Neuntes Kapitel. ■
„Greta" vor Anker lag-. Die Soldaten feuerten mit einerwalnen Wuth auf uns, die Kugeln fielen jetzt schnell undhageldicht, sausten von allen Seiten uns um die Ohren undrissen ringsum den Boden zu unsern Füssen auf. Einer derersten Schüsse hatte einen unserer Manilesen sofort ge-tödtet, ein anderer fiel verwundet nieder, und es war nunauch für uns die höchste Zeit, an unsere Sicherheit zu denken,denn es war ausser allem Spass, von beinahe 500 Soldaten mitaller Macht beschossen zu werden. Dass es uns möglichgeworden, dem Feuer derselben zu entrinnen, erscheintmir noch immer wie ein Wunder, es gelang jedoch unslangsam und ohne Hast zu zeigen zurückzuziehen. Beiunserm Dampfer angelangt, fanden wir den Burschen,welcher das ganze Unheil verschuldet hatte, bereits ge-nügend für sein unverantwortliches Betragen bestraft; ob-wol er selbst dem Boote am nächsten gewesen, hatte ihndoch eine Kugel in den Arm getroffen, welche ihren Laufvom Schulterblatt bis zum Ellenbogen genommen hatte.So sehr wir auch den Verlust des Manilesen bedauerten,gewährte es doch allen eine Genugthuung, dass der Urheberder That (das Kalb war natürlich sofort nach der Verwun-dung des Mannes demselben wieder entsprungen) seinerStrafe nicht entgangen war, und nachdem wir uns von derleichten Art seiner Verwundung, welche mehr schmerzhaftals gefährlich war, überzeugt hatten, wurde ihm nurwenig Mitleid von uns allen zutheil.
Das Schiessen dauerte ununterbrochen fort, bis wir alleden Dampfer erreicht und uns eingeschifft hatten, und erstals wir davondampften wurde das Stadtthor geöffnet undwagte sich die Volksmenge heraus.
Dieser unvorhergesehene Unfall machte selbstverständ-lich allen weitern Verhandlungen ein Ende. Dass einer derBeamten es wagen würde, sich wieder an Bord der „China"blicken zu lassen, war nicht wohl anzunehmen, ebenso wenig