Druckschrift 
Ein verschlossenes Land
Entstehung
Seite
148
Einzelbild herunterladen
 

148 Sechstes Kapitel.

ringer Anstrengung schon guten Erfolg erzielen würde,hat das Phlegma und die Gleichgültigkeit der Bevölkeruno'noch nicht den kleinsten Theil der Productivität damit er-langt, den die reichen Hülfsquellen des Landes bei irgendrationeller Behandlung zu ergeben im Stande sein würden.Dies ist um so mehr bei einer Bevölkerung zu verwundern,die, zum bei weitem grössern Theile aus Ackerbauern be-stehend, bei etwas angestrengterer Thätigkeit mit Leichtig-keit ihren Wohlstand vergrössern könnte. Bei allensonstigen guten Charaktereigenschaften fehlt aber demcoreischen Volk der Trieb, weiter zu kommen, und diesemMangel ist es vor allen Dingen zuzuschreiben, dass diebesten und reichsten Hülfsquellen brach und unbenutztliegen, wozu allerdings noch kommt, dass die Regierungnichts thut, diesem Mangel abzuhelfen oder entgegenzu-wirken.

Das Klima ist ein gemässigtes, durchgängig schön undsehr gesund. Auf beiden Seiten von Meeren umgeben,wird die Hitze des Sommers durch kühlende Winde ge-mildert und der Winter, der in den nördlichen Theilen desLandes sehr streng auftritt, macht sich in den mittlemund südlichen Provinzen nicht allzu fühlbar. Im ganzengleichen die Temperaturverhältnisse eher denen des südlichenEuropa als denen Asiens; die drückende Hitze Indiens,Chinas und selbst Japans gehört zu den Ausnahmefällen,die Sonne ist ungleich weniger stechend und gefährlich;Fremde, denen in jenen Ländern das Ausgehen ohne ge-nügenden Schutz gegen die Sonne den sichern Tod bringenwürde, sind in Corea einer solchen Gefahr kaum aus-gesetzt. Cholera und Dysenterie kommen allerdings währendder Sommermonate häufig vor; diese Krankheiten wer-den aber mehr durch die Unvorsichtigkeit und den Leicht-sinn der Eingeborenen, als durch das Klima hervorgerufen.Frühling und Herbst sind wunderbar schön, fast ganz frei