100 Viertes Kapitel.
nesische Schriften erwähnen weder der Leibeigenschaftnoch überhaupt der strengen Kasteneintheilung des corei-schen Volkes.
Die officielle Religion Coreas, wenn überhaupt voneiner Religion die Rede sein kann; ist der Buddhaismus,der um das Jahr 372 n. Chr. zuerst von China aus Ein-gang im Lande fand und sich allmählich allgemeiner aus-breitete. Im Punkte der gänzlichen Misachtung aller ihrerreligiösen Gebräuche und Förmlichkeiten aber stehen dioCoreer kaum über dem Niveau ganz wilder Völkerschaften,sicherlich nicht auf der Stufe, wie man sie bei einem Volke,das doch nicht aller Cultur fremd ist, voraussetzen könnte,und tief unter der, zu welcher sich selbst die Chinesen undJapanesen erheben. Denn obschon weder diese noch jene nachunsern Begriffen religiöser Natur sind, und namentlich bei denerstem in den vorwiegend wenigsten Fällen die Ausübungder damit verknüpften Förmlichkeiten und Gebräuche einemwirklich innern Drang und Bedürfniss entspringt, so istihnen doch ein gewisses Pietätsgefühl für die Aufrechthal-tung ihrer althergebrachten Formen nicht abzusprechen —ein Gefühl, das den Coreern ganz und gar abgeht. DiePriester und Bonzen in China stehen gleichfalls weder aufeiner hohen Stufe der Bildung, noch sind sie ihrem Standegemäss geschätzt und geachtet, was insofern leicht er-klärlich ist, als sie, ohne wirklichen Einfluss auf das Volk,ihre Stellung nur dazu benutzen, um auf Kosten desselbenein möglichst bequemes, faules und arbeitsloses Leben zuführen. Aber auf so geringer Stufe der Achtung in denAugen der Masse sie auch stehen mögen, so gänzlich nris-achtet, so erniedrigt wie ihre coreischen Collegen sind siedoch bei weitem noch nicht. Während bei den Hindus diePriesterkaste den ersten geheiligten Rang einnimmt, findethier, wie wir sehen, gerade das Gegentheil statt, — als derletzten selbst unter den verächtlichen Kasten, tief unter