Frühere Abhängigkeit von China. 31
Das China früherer Jahrhunderte, mächtig im Innernwie nach aussen, das durch den Einfluss seiner Grösse undseiner Heeresmassen einen Druck auf die kleinen Nachbar-völker auszuüben im Stande war — das China des Dschingis-Kban, Octai und Kublai hat lange zu existiren aufgehört;unfähig, die im eigenen Lande in den verschiedenen Pro-vinzen chronisch gewordenen Aufstände einzelner Banden,die unter dem Vorwande, das verhasste Tartarenjoch abzu-schütteln, sengend und brennend ganze Länderstrecken ver-wüsten, niederzuhalten oder gar zu bewältigen, ist diechinesische Regierung von heute noch viel weniger imStande, irgendwelchen Einfluss auf die früher tributär ge-wesenen Nachbarländer auszuüben, oder gar eine Oberherr-liehkeit über dieselben zu behaupten. Wie sie dieselbe inSiam, in Burmah und in Cochinchina hat aufgeben müssen,ist es ihr in Corea nicht besser ergangen, obschon Chinadiesem letztern Lande gegenüber vielleicht mit mehr Berech-tigung Anspruch auf Erkenntlichkeit für demselben geleisteteDienste und Hülfsleistungen machen kann als bei irgend-einem der andern Länder. Trotz ihres kriegerischen undenergischen Charakters gelang es den Coreern doch nurmit Hülfe Chinas, die ihnen an Kriegskunst weit über-legenen Heere Japans zurückzuwerfen und aus dem Landezu jagen — was aber damals, im Augenblick der Noth undßedrängniss dem mächtigen hülfreichen Nachbarn einge-räumt werden musste, ist längst der Verjährung und Ver-gessenheit anheimgefallen — weiss doch die coreische Re-gierung gut genug, dass der chinesische Kaiser, der seineigenes verfallendes Reich nicht vor fernerer Zerrüttungzu schützen vermag, nicht daran denken kann und darf, aufdie Erfüllung alter Verträge zu dringen, selbst wenn er,was nicht einmal der Fall ist, die Lust dazu hätte. Aller-dings hatten die Chinesen damals sich für ihre Hülfe nichtlediglich mit Verträgen und Versprechungen abfinden lassen,