6 II. Die Überlieferung.
Von Buchstaben sind besonders c und t vor h, also ch und th,manchmal auch o und o, schwer voneinander zu unterscheiden. Daßdie erstere Schwierigkeit bereits der Vorlage zukam, scheint 1 T Rethin für fiechin darzutun. Wo ein t den Wortschluß bildet, ist seinBalken häufig mit einem nach innen gebogenen Haarstrich ausgeziert,wie auch h, e, y, n, m, x (») in einen solchen enden. Bei gedoppeltemtt erscheint das zweite stets über der Zeile erhöht und mit einerSchlinge ausgestattet, so daß es einem l sehr nahekommt. Das i hatschon häufig einen Punkt — niemals einen Strich —, und zwar nichtnur in der Nachbarschaft von u, n, m; u wird anlautend stets v(tri, vff) geschrieben (im Abdruck ist dafür u- gesetzt). Das gekrümmte2, das gerade d fehlen, ebenso die Wilhelm Meyerischen Buchstaben-verbindungen bis auf gelegentliche se. Rundes s steht nur im Wort-auslaut. Die gebrauchten Wortabkürzungen — im Abdruck auf-gelöst — sind die durchaus üblichen. Höchstens könnte man er-wähnen, daß sich öfters kursives & mit einem aus der Schlinge ge-zogenen Haken -& = des, dis z. B. 8 r </o9 findet, und daß 8 r d' fürdas sonst immer ausgeschriebene dir und 15 r w' (über der Zeile vonder Texthand ergänzt) für wir steht, was sich aber aus der dia-lektischen Aussprache (der, wer) erklärt, und daß der horizontaleStrich (~) sowohl n als auch m (10 r griheit, 15 r grüne) vertreten kann,was dann in Fällen wie 8 r von myne vad s e (doch 7 V von Rnen hieme-lifchen vader) die Endung im Dat. Sgl. des Adjekt. (resp. Artikels undPossessivpron.) zweifelhaft erscheinen läßt. Als Wasserzeichen führtdas Papier zwei gekreuzte Schlüssel (Briquet 3854, 1419—28) und(Bl. 15. [20]) einen Ochsenkopf, der jedoch nicht vollständig zu sehen ist,so daß sich auch nicht sagen läßt, ob der Stab zwischen den Hörnernam Ende ein Andreaskreuz, einen Stern oder eine Blume trug. Der Ein-band besteht in einem Umschlag aus starkem, graugelben Papier miteinem kleinen weißen Schild auf der Vorderseite mit dem Titel (vonmeiner Hand): „Das Leiden Christi" [Rheinfrk. Hs. des XV. Jhs.].Das Heft erweckt nicht den Eindruck, daß es aus einem Kloster-scriptorium oder einer Lohnschreiberstube hervorgegangen sei; es wirdvielmehr als die private, nicht gar sorgfältige Abschrift eines amStoff interessierten Laien zu gelten haben. Wortauslassungen, Wort-