Vorwort.
Am 25. Mai 1935 starb der sudetendeutsche Gelehrte, ProfessorDr. Robert Priebsch, Professor emeritus der Universität London(University College), im Sanatorium Perchtoldsdorf bei Wien. DeutscheWissenschaft in England erlebte unter seiner Führung einen ruhm-vollen Aufstieg und eine unbestrittene Glanzzeit. Mit ihm ging dievornehmste und in wissenschaftlichen Kreisen gefeiertste deutscheForscherpersönlichkeit auf dem Gebiete der älteren Germanistik, derPaläographie und der Literatur der Reformationszeit in England dahin.
Wer das Glück hatte, Professor R. Priebschs Schüler gewesen zusein, wird nimmer vergessen können, mit welcher Liebe, selbstloserHingabe und tiefem Ernst er germanistische Wissenschaft pflegte undförderte. Es gilt mit Recht als eine besondere Auszeichnung unterden Germanisten Englands, Robert Priebschs Vorlesungen und uner-schöpflich anregendes Seminar über Parzival, Tristan, Nibelungen,Walther, Morungen u. a. gehört zu haben. Viele seiner einstigenHörer erfreuen sich nun der höchsten akademischen Ehren und wirkenals Professoren, Readers oder Dozenten an den Universitäten Groß-brittaniens, in den Dominions und auch in Deutschland. Sein Erbeträgt in ihnen Früchte.
Die von Robert Priebsch unermüdlich und sorgsam aufgebauteahd., mhd. und paläographische Seminarbibliothek ist ein Stolz seinerUniversität. Der Adel seiner Gesinnung, sein unworldly und lovableCharakter — wie ihn die Kollegen im University College und BritishMuseum so gerne zu nennen pflegten — gewann ihm die Herzen derHörer, die seiner auch später in Amt und Würde nicht vergaßen.
Wieviel Robert Priebsch durch seine Forschertätigkeit auch dieGermanistik Deutschlands förderte, ist in akademischen Kreisen hoch-schätzend anerkannt worden. Schon seine erste Veröffentlichung