2 I. Zur Entstehungsgeschichte des Textes.
tungen desselben evangelischen Stoffes steht wiederum ganz selbständigdie auf den folgenden Blättern abgedruckte Passion gegenüber. —
Das Leiden des Erlösers in Offenbarungen zu durchleben undkörperlich nachzuempfinden, gehörte in den Begehrungsbereich gott-begnadeter, ekstatischer Frauen, Laien und Ordensschwestern. Ein Bei-spiel l — um nur dies eine herauszugreifen, da es in den Kreis gehört,dem augenscheinlich unsere Darstellung entsprungen ist — bietet dieDominikanerschwester zu Medingen, Margaretha Ebner, die in ihrenselbstverfaßten Offenbarungen wiederholt auf ihre eigene Erfahrung indiesem Punkt und die dabei ausgelösten Schmerzgefühle zu sprechenkommt. Man vgl. Ph. Strauch, Margaretha Ebner und Heinrichvon Nördlingen, Freiburg 1882, Vorrede XXXVII und S. 118, 21ff.,131, 16ff., 132, 15ff., 154, 23ff. Zwei Stellen mögen herausgehobenwerden, die die Innigkeit des Mitempfindens und Nacherlebens desgöttlichen Leidens illustrieren: und dar nach do ich entschlief, do wahtmich das minneMich liden mins herren mit ainem geswinden schuczsiner niinnestral in min herze mit ainem grozzen smerzen. und ver-
stuond ich ........., daz ez diu stunde was, do sich mins aller
liebsten herren liden an fieng uf dem berge in dem gebet, do er swiczetden bluotigen swaizee (131, 16ff.) und: Mir wart auch geben an demsamstag nach Letare ain as creftigez enphinden des hailigen lidens minsherren Jhesu Cristi, as ob ich ez mit minen äugen geseh gegenwerthli-chen (154, 23ff.).
Nun als eine in einer Vision geschaute Darstellung des LeidensJesu von dem Augenblick do af mit fmen iungerin an Rn gebed wuldegan (an eine berg) bis zur Erscheinung des Auferstandenen vor Mn s be-truwete vnde vngetroßen müder gibt sich auch unser Text aus. Derdie Offenbarung ward, das war eine, freilich nicht näher bezeichnete,fromme Frau — Begine? Dominikanerschwester? —, aus deren Mund,wie mehrere Textstellen 2 bezeugen, das Erlebnis vielleicht durch ihren
1 S. auch C. Greith, Die deutsche Mystik im Predigerorden, 1861, S. 420ff.u. H. Wilms 0. P., Das Beten der Mystikerinnen (Heft 11 der Quellen undForschungen z. Geschichte des Dominikanerordens).
J Bl. 3 r Der worte horte Re nit, Re horte aber wol die Ryme. 4' Da mirketefg daz er diefe wort Sprach zu /ante Peter, ebda, vn was Rn gebere alle engeßlichdaz Re mir feit daz iz gut waz (4») daz iz dg jungerin nit ynfahin.