752 Biographische Uebersicht.
Abulkasis, Chelaf Ebn Abbas, geb. zu Zahera bei Cordova, starb 1106,der berühmteste chirurgische Schriftsteller der Araber. Von seinem Werk: altasrif(Sammlung) sind nur 2 Abtheilungen gedruckt worden.
Guy de Chauliac, Lehrer zu Montpellier, schrieb ein berühmtes Lehr-buch der Chirurgie 1363.
Peter de la Cerlata, Professor zu Bologna (lebte noch 1410), in seinerChirurgie berücksichtigte er auch die Geburtshülfe.
Eucharius Roesslein, Arzt zu Worms und Frankfurt a./M., gab daserste gedruckte Buch über Geburtshülfe heraus: „Der schwangeren Frauen undHebammen Rosengarten". Das Privilegium des Kaisers Maximilian I. datirt vom24. Sept. 1512. Roesslein starb 1553 oder 1554.
Andreas Vesalius, 1513—1564, geb. in Brüssel, Professor der Anatomiein Padua, später am spanischen Hof, Arzt von Carl V. und Philipp II. Der Vaterder modernen menschlichen Anatomie. Vesalius widerspricht zuerst dem Aus-einanderweichen der Beckenknochen bei der Geburt, kennt und beschreibt sehrrichtig die menschliche Gebärmutter und ihre Veränderungen während derS ch wangers chaft.
Gabriel Fallopia, 1522—1562, geb. zu Modena, zuletzt Professor derAnatomie in Padua. Nach ihm heisst die Tuba Fallopiae. Er vervollkommnetedie Anatomie der inneren weiblichen Genitalien ganz wesentlich.
Julius Caesar Arantius (1530—1589), Professor der Anatomie in Bologna,Schüler Vesals. Er kannte die Verengerung des Beckens in seinem geraden Durch-messer (platte Becken) als Ursache schwerer Geburten.
Ambrois Pare (Paraeus), Wiedereinführung der Wendung auf die Füsse(1550), Reformator der Chirurgie, geb. 1510 zu Laval (Maine), gest. zu Paris20. Dec. 1590. Feldchirurg Franz I. und Heinrich II.
William Harvey, geb. zu Folkestone 1. April 1578, gest. 3. Juni 1657,Professor der Anatomie und Chirurgie in London. Der Entdecker des Blut-kreislaufs.
Christian Johann Berger, ward 1600 Professor der Geburtshülfe inKopenhagen. Gründer der dortigen Gebäranstalt im Nosocomium Fridericianum.
Mauriceau, Francois, wirkte von 1660—1709 in Paris. Sein Werk erschien1668 und erlebte 7 Auflagen. Am 19. Aug. 1670 war er mit Hugh Chamberlenbei dem historisch gewordenen Geburtsfall, an dem das Chamberlen'sche Instru-ment seine Probe bestehen sollte, zusammengetroffen.
Seine wichtigsten Grundsätze waren:
Für die Geburt empfiehlt er die gewöhnliche Bettlage. Bei der Extractiondes nachfolgenden Kopfes soll vor allem das Kinn herabgebracht werden durchEinhaken des Fingers in den Mund. Steisslagen können der Natur überlassenwerden. Falls man eine Fusslage machen wolle, müsse der Steiss noch hochliegen. Alle Querlagen erforderten die Wendung auf die Füsse.
Paul Portal's Pratique des accouchements soutenue d'un grand nombred'observations erschien 1685 in Paris.
Guillaume Mauquest de la Motte seit 1673 als Geburtshelfer thätigin Valognes, Normandie, starb 27. Juli 1737.
Hendrik van Deventer, geb. 16. März 1651, bis 12. Dec. 1724. Kanntezuerst die volle Bedeutung des platten Beckens (Pelvis plana Deventeri) für dieGeburt. Durch ihn begann die wissenschaftliche Lehre vom engen Becken.
Johann Palfyn, Erfinder der Zange (1649—1730), Professor der Anatomiein Gent. Im Jahr 1723 legte er seinen Tire-tete der Pariser Academie vor. Dieserwar noch sehr unvollkommen construirt, aus zwei tief ausgehöhlten, suppenlöffel-artigen, ungefensterten und unverbundenen Theilen bestehend. Gekreuzt wurdendie Löffel von Dusse. Gefenstert und mit besserer Krümmung und mit ordent-lichen Griffen versehen durch die beiden Gregoire.