Die künstliche Lösung der Nachgeburt.
749
Ist man am Muttermund angelangt und geht die Hand nichtganz leicht durch denselben, so muss die andere (gewöhnlich die linke)von den Bauchdecken aus den Gebärmuttergrund entgegenhalten.
Die eingeführte Hand geht an dem nochmals angezogenen Nabel-strang entlang zur Einpflanzungsstelle, geht flach mit dem Ulnarrandzwischen die Nachgeburt und die Haftfläche und schiebt sich immerweiter trennend zwischen Wand und Nachgeburt ein. Man fährt unterbeständigem Gegendrücken der Gebärmutter so lange fort, bis dieganze Placenta gelöst ist. Schädlich ist das häufige Anziehen und dieVersuche, die Nachgeburt herauszubringen; denn es führt zum theil-weisen Einreissen und zum Abreissen einzelner Cotyledonen.
Ist die Lösung fertig, also die Nachgeburt überall von der Wandgetrennt, so umfasst man den oberen Rand mit der Vola manus und
Fig. 239.
Manuelle Lösung der Nachgeburt.
schiebt sie vor der Hand aus dem Muttermund heraus. Ein leichterZug schafft sie auch aus der Scheide.
Eine genaue Besichtigung soll die Placenta wohlerhalten zeigen.Es kann kein Geburtshelfer mit seinem Werk zufrieden sein, wenn erdie Nachgeburt in Stücken extrahirte; denn dies zwingt ihn, noch ein-mal, ja wiederholt einzugehen, bis er sich überzeugen kann, dass dieGebärmutterhöhle leer ist.
Nach der Lösung der Nachgeburt kommt die Reinigung derUterushöhle und gerade dies halten wir als den wichtigsten Theil derAntisepsis. Die vorangehende Desinfection der Hände setzen wir voraus.
Ein Uteruskatheter, und wo ein solcher fehlt, ein gewöhnlicher,männlicher Katheter aus Silber wird mit dem Schlauch eines Irrigatorsin Verbindung gesetzt (wir machen hier nochmals auf die practischenVortheile unseres Saugheber-Irrigators aufmerksam, der leicht trans-portabel ist), die Röhre in die Gebärmutter eingeführt und nun unter