Einige andere Extraetionsinstrumente (Leniceps). 653
Das Instrument unterscheidet sich nicht wesentlich von den ge-bräuchlichen Zangen. Die Löffel, mit 'denen der Kopf gefasst wird,sind ganz nach Levret's Vorschriften construirt, aber die Blätterhören im Bereich des Schlosses auf und sind mit diesen Enden aneiner quergehenden Handhabe befestigt. Um sie gegen einander zufixiren, sind an der Handhabe gezahnte Ausschnitte, welche eine grössereund geringere Entfernung der zwei Löffel und deren Fixirung gestatten.Die Modifikation ist, wie schon der Eingangs erwähnte Name andeutenkann, berechnet, um jede zu starke Compression des kindlichen Kopfeszu vermeiden. Das Instrument ist selbst in seiner Art unvollkommen;denn wenn der Kopfdurchmesser nicht gerade einem der gezahnten Aus-schnitte in der Grösse entspricht, so kann der Kopf nicht fest gefasstwerden, oder man muss die beiden Zangentheile, also auch den Kopf,stark gegen einander drücken, um nur die Fixation der zwei Löffel zuerreichen. Besser wäre natürlich eine Schraube, welche die Zangen-blätter beliebig an dem queren Handgriff fest zu machen gestattete.
Das Instrument hält sicher weniger gut am Kopf als die Zangeund wird bei stärkerem Zuge abgleiten, weil es dann nicht diesemZuge entsprechend mit mehr Kraft an den Kopf gedrückt wird.
Wir erwähnen noch als Curiosität eine asymmetrische Zangevon Hamon '), aus zwei Blättern und einem gemeinschaftlichen Hand-griff bestehend. Im Ansehen unterscheidet sie sich nicht viel von demeben besprochenen Leniceps.
Es werden mit diesem Instrument nicht symmetrische Theile desKopfes gefasst. Die beiden Zangenblätter kommen nicht mehr insymmetrische Beckenpartien zu liegen, sondern werden jederseits überdie Symphysis sacro-iliaca hinauf gebracht, so dass sie nur einenAbschnitt des Kopfes zwischen sich haben. Das Instrument ist nachfalschen Anschauungen construirt und wird mit vollständiger Nicht-beachtung gebührend beurtheilt.
In neuerer Zeit sind wieder einzelne Exemplare von ungekreuztenZangen aufgetaucht, von grösserer und kleinerer Construction. Wirerwähnen die zwei Instrumente von Trelat und Lazarewitsch. Dasletztere ist ein Forceps für die Westentasche zu nennen. Die Ein-richtung des Schlosses ist sehr einfach. Ein Zapfen des einen Griffesragt horizontal heraus und wird in eine entsprechende Oeffnung desanderen Griffes eingepasst. Wir sind sehr für milde und schonendeAnwendung des Instrumentes. Mindestens muss man dann aber von derLazarewitsch'schen Zange behaupten, dass sie nur für einen kleinenTheil — und zwar nur die leichtesten Fälle — der Zangenoperationenausreichen kann. Es ist auch an dieser Stelle daran zu erinnern, dassdiese Vorschläge keineswegs neu sind und gewiss nicht mehr Aussichtauf allgemeine Annahme haben als vor 100 Jahren.
Ungekreuzte Zangen mit Kopf- und Beckenkrümmung, mit ge-fensterten Löffeln sind schon von Coutouly, Thenance und Weiss
*) Bullet, de Therap. 15. Dec. 1866 und Gaz. des kopitaux 1867. Nr. 143.