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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
652
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652 Der Air-tractor von Simpson.

An dieser Stelle wollen wir noch einige Extractionsinstrumenteerwähnen, welche Geburtshelfer erfanden, um die gebräuchlichen Zangenzu ersetzen oder zu verbessern.

Wir beginnen mit dem Obstetric Air-tractor (geburtshülf-licher Luftzieher) von J. Y. Simpson 1 ). Das Instrument hat nichtsmehr von Aehnlichkeit mit zwei Händen, sondern mit einem Tractions-instrument, das an der Wölbung des Schädels, am tiefsten Punkt an-gesetzt wird. Diese Stelle geht ungefähr durch die Mitte des Becken-raumes. Ein Zug an derselben stört also den Geburtsmechanismus nicht,was ein entschiedener Vortheil gegenüber der Zange wäre. Es gibtgenug solcher Instrumente, die in den eröffneten Schädel eingesetztwerden. Simpson suchte aber auf eine geistreiche Weise die Be-festigung am unverletzten Kopf zu erreichen. Er saugte sein Instru-ment durch Herstellung eines luftverdünnten Raumes am kindlichenKopfe fest.

Nach mehrfachen Aenderungen stellte sich sein „Luftzieher" fol-gendermassen dar: eine metallene Kappe wird an den Kopf gelegt,dieselbe steht mit einer Spritze in Verbindung, welche den Hohlraumluftleer saugt. Um ein inniges Anschmiegen an die Kopfhaut zuerzielen, ragt über den metallenen Rand noch ein Saum von vulkani-sirtem Kautschuk vor.

Damit das Hineinsaugen der Kopfhaut in die Hohlkugel, also dieSchröpfkopfwirkung vermieden werde, ist über die Mündung der Hohl-kugel Gaze gespannt und in den Raum selbst ein trockener Schwammgelegt. Die Spritze besteht aus Messing, ist nur 4—5 v p cm lang, hatzwei Ventile. Die messingene Schale hat eine Tiefe von 13 mm undan der Mündung einen Durchmesser von 41 mm.

Bekanntlich ist die Kraft wesentlich abhängig vom Flächeninhaltdes aufgesetzten Kreises. Simpson probirte seinen Apparat, nach-dem er ihn an der Hand festgesaugt hatte, und konnte damit 30 bis40 Pfund, 15—20 kg, heben.

Simpson selbst scheint nur einen Versuch mit der eigenen Er-findung gemacht zu haben. Nachher ist das Instrument weitläufigkritisirt, aber unseres Wissens nie einer Prüfung für werth erachtetworden. Natürlich kann das Instrument zum Ersatz der Zange nichttaugen, weil es nur die Kopfhaut von dem Schädelknochen abhebenwürde. Wenn Einer einmal experimentell die Cephalhämatome stu-diren möchte, so kann das Instrument wieder zu Ehren kommen.

Leniceps wurde von Mattei 2 ) ein Instrument genannt, das denKopf milder, schonender fassen soll als der Forceps —leniter capienssoll das neue Werkzeug sein, von fortiter capiens leitet er den NamenForceps ab.

1 ) Two notioes of the obstetric Air-tractor. Edinburgh 1849, a. d. Procee-dings of the Edinb. Obstetr. Society 1848 (Monthly Journ. of Med. Soc.,' Febr. 1849and March 1849).

2 ) Rev. de Therap. med. chir. Bd. III. 1859.