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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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624 Anlegen der Zange an einem diagonalen Kopfdurchmesser.

ziehe", nicht „herausreisse", so dass auch ein anderer Arzt dieser Ope-ration zusehen kann, ohne mit Grauen und Mitleid erfüllt zu werden.In Bezug auf die Stärke der Tractionen wirkt nun das Phantom ver-wöhnend. So leicht geht es in der Wirklichkeit nie, als im Uebungs-curs und deswegen darf man den Muth nicht sinken lassen und sichWarnungen vor dem Uebermaasse der Kraft nicht so zu Herzen nehmen,dass man gar nicht ordentlich anzuziehen wagt. Ein Zug mit vollerKraft ist in der Regel nothwendig.

Wichtig sind die Warnungen vor dem ruckweisen Ziehenund dem Hebeln mit der Zange. Es sind schon oft leichtePendelbewegungen empfohlen worden, um den Kopf flott zu machenund fast ebenso häufig ist dieser Rath verworfen worden. Es kommtauch hier — wie in vielen anderen Dingen — allein darauf an, wieman es macht. Wenn ein Geburtshelfer mit einem Ruck nach links,dann ebenso nach rechts zieht, womöglich von Zeit zu Zeit versucht,durch Aufwärtsstemmen der Griffe den Kopf herauszudrücken, so istdas ein grundfalsches Operiren. Unter dem ruckweisen Ziehen riskirtder Arzt, die Weichtheile zu zerquetschen und zu zerreissen, ja sogardie Kopf- und Beckenknochen zu zerbrechen.

Dagegen ist ein leichtes, sanftes Anziehen, bald etwas mehr nachder einen, bald mehr nach der anderen Seite, durchaus ungefährlich, jameiner Meinung nach natürlicher als das einfache Ziehen geradeaus.Man darf annehmen, dass bei den leichten seitlichen Bewegungen dieFalten der Schleimhaut sich eher verstreichen und gleichmässig aus-dehnen lassen.

Die theoretischen Untersuchungen über die zur Extraction noth-wendige Kraft sind direct an den Zangen gemacht worden. Kri-steller 1 ) liess in den Zangengriffen Federn anbringen, die beim An-ziehen zusammengedrückt werden mussten. Der Widerstand, den sieentgegensetzten, liess sich durch Gewichte ausprobiren und auf einerScala notiren. Mit diesem Zangeninstrument werden dann die Versuchein praxi ausgeführt. Kristeller rechnet im Mittel als die zu einerZangenoperation nothwendige Kraft 30—35 Pfund. Nach seiner Er-fahrung braucht es die volle Körperfrische, um stetige Tractionen miteiner Zughöhe von 35 Pfund auszuüben und bedeutet die Anwendungeiner Zugkraft von 40 — 45 Pfund eine recht schwierige Zangenent-bindung.

Auf eine etwas andere Art verfuhr Joulin 2 ). Es handelte sichbei diesen Versuchen nicht um Messung der Kraft, welche gewöhnlichan einer Zangenentbindung gebraucht wird, sondern um Bestimmungder Zugkraft bei einem selbst construirten „Appareil ä traction continue".Die Maschinerie besteht aus einer vollständigen Zange. An die Fensterdes Löffeltheils werden Stricke angeschlungen, eingehängt oder sonst

r ) Kristeller, M. f. G. Bd. XVII. p. 166 u. 175.

2 ) Arcli. generales de medecine 1867. Vol. I. p. 168. Traite cornplet d'ac-couchements. p. 1063.