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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
623
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Das Werfen der Löffel. 623

Ein anderer Fall (beschrieben M. f. Gr., Bd. 24, Suppl. p. 157-208. 1865)betraf einen Chirurgen, welcher bei der Zangenoperation an einem hochstehendenKopf mit dem rechten Löffel sich in das Scheidengewölbe eingrub, eine kleineperforirende Oeffhung im rechten Seheidengewölbe, in welche der rechte Zangen-löffel genau passte, und eine Zerreissung der Blase machte. Die Frau starb un-entbunden an Verblutung: der Chirurg wurde zu einer 19 monatlichen Gefängniss-strafe verurtheilt.

Wenn es auch nicht zu leugnen ist, dass gelegentlich durch einen starkenSchmerz die Frau sich heftig gegen die Zangenspitzen bewegen und also eine soschwere Verletzung ohne Schuld des Operateurs zu Stande kommen könnte, soist doch entgegenzuhalten, dass diese Bewegungen durchweg Fluchtversuche sindund instinctmässig dahin streben, sich vom Geburtshelfer zu entfernen. Es wurdevon dem Geburtshelfer in dem letzterwähnten Fall als Entschuldigung vorgebracht,dass sich die Kreissende durch eine heftige Bewegung förmlich gegen die Zangen-spitze warf und die Verletzungen durch unvernünftiges Benehmen zugezogen habe.Von den begutachtenden Gerichtsärzten wurde dies, und gewiss mit vollem Recht,als nicht stichhaltig angefochten.

Eines der unangenehmen Erlebnisse bei der Zangenoperation istdas Werfen der Löffel. Nehmen wir die vordere Fläche der zweiGriffe zur Richtung an, so gehen die Löffel leicht ins Schloss, wenndiese beiden Flächen in einer Ebene liegen. Wo diese Richtungs-flächen der Griffe in einem Winkel zu einander stehen, werfen sichdie Löffel.

Wenn sich die Löffel werfen, so bedeutet dies fast immer,dass die Zange schlecht am Kopfe liegt. Kam z. B. der eineLöffel zu stark über das Gesicht und der andere nicht genau über diediagonal entgegengesetzte Partie des Hinterhauptes, so müssen sich dieBlätter werfen.

Dieser Veranlassung muss man sich klar sein, wenn man darangeht, die sich werfenden Löffel ins Schloss zu bringen. Lassen sie sichleicht zusammenfügen, so darf das Schliessen geschehen. Mit Gewaltbringt man aber die Löffel nicht an die symmetrischen Partien desKopfes, sondern muss befürchten, die Zange in einer höchst ungünstigenLage zusammenzudrücken, wobei der Kopf nur vom Rand des einenLöffels gefasst wird. Tiefe Rinnen in der Kopf- und Gesichtshaut,bezw. Fracturen eines Stirn- oder Schläfenbeines sind dann die Folgendes gewaltthätigen Schliessens. Da die Zange sofort ins Schlosskommt, wenn sie gut liegt, ist im Fall des Werfens einbesseres Anlegen die richtige Aufgabe. .

Zur Orientirung darüber, welches Zangenblatt schlecht liegt, dientdie vordere Fläche der Zangengriffe. Diese Flächen sollen immer diePfeilnaht unter einem rechten Winkel schneiden.

Die Kraft des Zuges lässt sich immer nur annähernd angeben.Wenn auch Versuche gemacht worden sind, die Zugkraft zu bestimmen,so lassen sich die gewonnenen Ergebnisse nicht im Einzelfall praktischverwerthen. Dem Anfänger ist die Frage sehr wichtig, wie stark erziehen müsse; aber in den kritischen Fällen, in denen es schwer geht,entscheidet nur die Erfahrung, wie weit man in Anwendung von Kraftgehen dürfe. Der Hauptgrundsatz für diesen Act ist, dass man „aus-