Beurtbeilung der verschiedenen Zangen. 611
Löffel durch einen Stift zusammengehalten (junctura per axin), beim englischennur durch eine überspringende Leiste (junctura per acetabulationem).
Brünninghausen schuf darin eine bemerkenswerthe Neuerung, dass ereine Axe an dem einen Löffel machen liess, welche eine entsprechende Einkerbungam anderen eingriff, dadurch den Vortheil eines besseren Haltes bot und doch einebenso leichtes Oeffnen und Schliessen gestattete, als das englische Schloss.
Um sich einen Begriff zu machen, wie viel in Za,ngenconstruction schongeleistet worden ist, citiren wir aus Kilian's operativer Geburtshülfe nur dieKategorien:
I. Zangen blos mit einer Kopfkrümmung.1. Die Löffel ohne Fenster.
a) Die Arme nicht gekreuzt.
b) Die Arme gekreuzt.2) Die Löffel mit Fenstern.
a) Die Arme nicht gekreuzt.
b) Die Arme gekreuzt.
II. Zangen mit Kopf- und Beckenkrümmung.
Unterabtheilungen wie bei Nr. I.Dabei Zangen von ungleicher Länge und Breite u. s. w.
III. Zangen mit Kopf-, Becken und Dainmkrümmung.Löffel mit Fenstern.
a) Anne gekreuzt.
b) Arme nicht gekreuzt.
IV. Zangen mit Kopf- und Dammkrümmung.Löffel mit Fenstern.
Arme gekreuzt.Da seit 1849, der 2. Aufl. von Kilian's Werk, immer noch neue Zangenerfunden wurden, verlohnt es sich wohl, diese Combinationen zu erwähnen underfindungslustige Geburtshelfer an das geflügelte Wort zu erinnern: „Rabbi B enAkiba sprach: Alles ist schon dagewesen."
Beschreibung der Zange.
Die Geburtszange (forceps obstetricius oder obstetricia) wird ge-bildet von 2 Blättern (bracbium, branche, engl, blade), die entweder nebeneinander oder unter Kreuzung in einander gelegt werden. Das einzelneBlatt bat einen Griff (manubrium, manche) und den sogenannten Löffel(cochlear, cuiller), der den Kopf des Kindes umfassen soll und deswegeneine demselben entsprechende Krümmung haben muss. Den schmalenTheil des Löffels nennt man Hals, das Ende Spitze (apex) und die dasFenster umschliessenden Rahmen die Rippen (costae, fr. jumelles). DieFensterung hat den Zweck, das Instrument leichter zu machen.
Levret hatte zuerst neben der Kopfkrümmung die sogenannteBeckenkrümmung eingeführt. Nach seinen ersten Vorschlägen wurdedie Zange so gebogen, dass sie der Beckenmittellinie entsprach. DieAbbiegung der Spitzen aus der Ebene < der Griffe und des Halses betrug*87 mm. Es war das eine sehr starke Beckenkrümmung, von welcherLevret selbst alsbald zurückkam. Später betrug der Abstand derSpitzen von der Ebene der Zangenbasis nur noch 60 mm, und heuteist die Beckenkrümmung meist noch geringer.
Ganz vorübergehend taucbte der Vorschlag auf, eine Abbiegungdes Halses und Zangengriffes einzuführen, die sog. Dammkrümmung.