486 Tod der Mutter während der Schwangerschaft.
Der Tod der Mutter während Schwangerschaft und Geburt.
Wir wollen bei diesem Abschnitt absichtlich alle zufälligen Vor-kommnisse, welche bei einer Schwangeren gelegentlich einmal zum Todführen können, ausser Acht lassen und uns auf die speciellen Gefahrendes Puerperalzustandes beschränken. Eine Schwangere kann so 1 gut,aber auch nicht eher als jede andere Frau an einem Typhus, einerPneumonie u. dergl. sterben; in geburtshülflicher Beziehung hat dannnur die Frage eine Bedeutung, wie man im Interesse des Kindes zuverfahren habe.
Plötzliche Todesfälle von Schwangeren oder Gebärenden kommen■erklärlicher Weise durch grosse Blutverluste, Platzen von grossenVaricen, z. B. an den Schamlippen, ebenso durch Eklampsie, Apo-plexieen, Hirnembolieen, Milzrupturen vor. Gar keine kleine Gefahrbieten die intrauterinen Einspritzungen bei Schwangeren, ja selbstnoch bei Gebärenden und Wöchnerinnen. Bei der Cohen'schen Methodeder künstlichen Frühgeburt kam es erschreckend häufig und bei derKiwisch'schen Uterusdouche immerhin einmal vor, dass die Frauenauf die intrauterine Einspritzung hin ohnmächtig, bewusstlos, cyanotischwurden und Zuckungen bekamen. Wenn auch die Mehrzahl derselbendem Leben wiedergewonnen wurde, so ist doch oft genug der,Todeingetreten.
Die Erklärung des Unglücksfalles war früher einfacher als heute.Unbestritten galt ein Lufteintritt in die Gefässe der Gebärmutter undLuftembolie ins rechte Herz als Ursache des plötzlichen Todes. AberVersuche verschiedener Physiologen, insbesondere Experimente vonUterhardt haben bewiesen, dass diese Erklärung keineswegs unbedingtzutreffend ist. Luft, welche in vom Herzen entfernte Venen eintritt,mischt sich im Verlauf bis zum Herzen schaumartig mit dem Blut' undführt nicht immer zum Tod durch Luftembolie. Es ist eine grosseQuantität Luft, ein kurzer Weg von der Eintrittsstelle bis zum rechtenHerzen notbwendig, um in demselben eine solche Füllung zu bewirken,dass durch Hemmung des Blutumlaufes der plötzliche Tod herbeigeführtwird. Es ist leicht möglich durch Lufteintritt bei klaffenden Halsvenen,aber keineswegs so häufig, als dies schon angenommen wurde bei denVenen des Uterus (vergl. hinten die intrauterinen Einspritzungen imWochenbett).
Was die Todesfälle während oder kurz nach der Geburt betrifft,so sind die gewöhnlichen Ursachen Verblutung, Erstickung undseptische Infection resp. Intoxication. Was wir nicht anerkennen,ist der sehr oft missbräuchlich angewandte Ausdruck „Erschöpfung".Durch Schmerzen allein gibt es keine Erschöpfung. Die grässlichstenFoltern müssen Kreissende mit engen Becken, Stenosen des Mutter-mundes u. dergl. aushalten. Sie halten es aus und sterben nicht daran.An Schmerzen stirbt man nicht und Schmerzen führen nicht zu einerErschöpfung, die den Tod veranlasst. Beweise vorbehalten darf die