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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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433
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Das Verfahren bei vernachlässigten Querlagen. 433

Schulter nicht anders, als hei der Selbstentwicklung. Diese Austreibungwird wesentlich begünstigt durch die Lage des Rückens nach vorn.Neben dem Bauch und in denselben hineingedrückt erscheint der Kopf.Die Voraussetzungen zu diesem Verlauf sind im wesentlichen dieselben,wie zur Selbstentwicklung. Wenn das Becken in den Querdurchmessernrecht geräumig ist, so kann der Vorgang noch zu Stande kommen. Indem Fall von Kleinwächter 1 ) war die Conjugata nur 8,8 cm.

Inhaltsübersicht.

i) Die Schief- und Querlagen werden meistens durch eine grosseSchlaffheit der Gebärmutter veranlasst. Findet man eine Querlage beieiner Erstgebärenden, so hat der Arzt zu untersuchen, ob nicht eineBeckenverengerung den Eintritt des vorliegenden Theiles verhindert hat.

2) Bei stehender Blase ist es besser, dieselbe bis zur vollständigenEröffnung des Muttermundes zu schonen und so lange eine sichere Dia-gnose zu vertagen, falls dadurch die Blase in Gefahr käme. Nach demSprung der Blase darf eine Feststellung der Lage unter keinen Um-ständen versäumt werden.

3) Die Erkennung der Schulterlagen richtet sich nach den Knochender Schulter: nach dem Schluss der Achselhöhle, bezw. dem Oberarm,der Scapula, Clavicula und den Rippen. Es müssen alle diese Knochengefühlt werden, wenn man der Diagnose sicher sein will. Ist ein Armvorgefallen, so wird die Diagnose leichter.

4) Bei jeder Schulter- oder Querlage besteht grosse Gefahr fürMutter und Kind, denn wenn die falsche Lage nicht rechtzeitig erkanntund durch die Wendung verbessert wird, müssen Mutter und Kind dar-über sterben.

5) Die Wendung ist bei stehender Blase oder bald nach demBlasensprung in jedem Falle möglich (ausgenommen absolute Beckenver-engerung). Ist jedoch die Querlage nicht zur rechten Zeit erkannt, alsodie Wendung, wo sie leicht war, versäumt worden, so kann diese Operationunmöglich sein. Das sind „verschleppte oder vernachlässigte Querlagen".

6) Es gibt bei Querlagen nach dem Fruchtwasserabfluss drei ver-schiedene Zustände der Gebärmutter: 1) die Anschmiegung der schlaffenGebärmutter an das Kind, 2) die Betraction des unteren Uterinsegmentesund 3) Tetanus uteri. Die zwei letzteren bedeuten grosse Gefahr.

7) So bald als möglich soll nach dem Blasensprung die Wendungausgeführt werden.

8) Ganz ausnahmsweise hilft sich die Natur noch durch die Selbst-wendung und die Selbstentwicklung.

9) Die Selbstwendung ist eine Geradestellung des querliegenden, abernoch beweglichen Kindes in die Gebärmutter-Längsaxe, bei stehender Blase.Die Selbstentwicklung kommt nur nach dem Sprung der Blase vor. Siebesteht in dem Ein- und Durchpressen des zusammengebogenen Kindesdurch das kleine Becken.

') A. f. G. Bd. IL p. 113.

Zweifel, Geburtshülfe. 2. Aufl. 28