Die Druckerseheinungen an den Beckenorganen, 417
Anhalt mehr an die Hand zu geben, um die zweckmässigste Behandlungeinzuschlagen. Daneben muss stets auf die Wehenthätigkeit, avf dieVorbereitung des Geburtskanales u. s. 10. Bücksicht genommen iverden.
8) Gerade weil man diese Schraubendrehungen mittelst der Zangeam hochstehenden Kopf nicht nachahmen, vielmehr nur den Kopf, so wieer gefasst wurde, gerade ausziehen kann, passt die Zange selten zurExtraction des hochstehenden Kopfes. Sie kann nur bei massigen räum-lichen Missverhältnissen ohne Schaden und Gefahr verwendet werden.Eine forcirte Anwendung dieses Instrumentes schafft aber bei diesenFällen die schlimmsten Beschädigungen der Frauen.
9) Die Wahl zwischen der prophylactischen Wendung, der Zangen-op"ration am hochstehenden Kopf bezw. dem Versuch, diese Operationdurchzuführen, der Perforation und dem Kaiserschnitt hängt in ersterLinie von dem Grad der Beckenverengerung und weiter von den übrigenVerhältnissen ab.
Die Druckerscheinungen an den Beckenorganen.
Unter den schweren Symptomen stehen obenan die Druck-erscheinungen. Dieselben sind am leichtesten zu erklären. Dennwährend sich der Kopf des Kindes über dem Beckeneingang befindet,müssen die Weichtheile, welche zwischen diesem und dem Becken ein-gekeilt sind, auf das heftigste gedrückt werden. Namentlich ist es dielange Dauer des Druckes, welche bedenkliche Läsionen setzt.
Die Erscheinungen zeigen sich zunächst am Muttermundsaum.Die Lippen werden prall gespannt und im Speculum betrachtetdunkelblau. Die ödematöse Schwellung kann bei längerer Dauer auchauf die Scheide übergehen. Die Schwellung ist die Folge einer Cir-culationsstörung; je weiter sie sich ausgebreitet hat, um so intensiverund vollständiger muss der Rückfluss gehemmt sein.
Durch den directen mechanischen Reiz ändert sich auch derCharacter der Wehen. Es treten Krampfwehen auf. Die Blasen-wand wird gequetscht und die Schleimhaut sugillirt. Bei länger dauern-dem Druck bekommt der Urin eine leicht blutige Färbungund die Regio pubica wird bei Berührung äusserst schmerzhaft. Sieist dies auch öfters einzig wegen übermässiger Füllung der Blase.Der Katheter muss also voran angelegt worden sein, ehe man ausdiesem Symptom auf Gefahr schliesst.
Hauptsächlich kommen aber in Betracht Temperaturerhöhungund Pulsbeschleunigung. Eine anhaltende Temperaturerhöhungwährend einer Geburt ist nicht gleichgültig. Selbstredend muss mandessen sicher sein, dass nicht etwa ganz andere Ursachen zur Temperatur-erhöhung vorliegen. Einer Steigerung um einige Zehntel, selbst biszu 38,5°, ist noch nicht eine unmittelbare Gefahr beizumessen, wennein gewöhnliches warmes Bad von 26 ° R. diese Temperatur dauerndherabzusetzen vermag.
Zweifel, Geburtshülfe. i. Aufl. 27