Die Frage der prophylactischen Wendung bei Geburten mit engem Becken. 415
entschiedener Kunstfehler sei. In solchen Fällen ist die Wendung nochmöglich. Wo dagegen der Kopf sich schon dem Beckeneingang an-gepasst hat, ist die Wendung sehr schwer möglich und mit grosserGefahr verbunden.
Die Frage kann also, wie Schröder mit vollstem Recht sagte,nur .lauten: soll man wenden oder warten?
Wo man bei einem engen Becken die Wendung macht, müssman sich über diese Operation entscheiden, ehe man wissen kann, wieohne dieselbe der Eintritt des Kopfes in das kleine Becken und derDurchtritt geschehen würde. Dies macht die Frage in praxi so schwerund dient dazu, diese Frage für lange, vielleicht für alle Zeiten offenzu erhalten.
Wir gehen nun dazu über, die Gründe, welche für Vornahme derWendung sprechen, zu erörtern.
Das Kind kommt aus der Kopflage in eine Fusslage. Wenn esirgend nothwendig wird, kann man extrahiren und — was im Ver-gleich zur Zangenoperation ein grosser Vortheil ist — den Kopf in einerWeise durchziehen, ,wie es dem natürlichen Mechanismus entspricht.Bei der Zangenoperation fasst man den Kopf mehr über Gesicht undHinterhaupt und hindert geradezu den Durchgangsmechanismus mitRotation.
Weiter kommt nun der Mutter zu Gute, dass der Druck auf dieWeichtheile nie so stark und nicht so lang einwirken kann. Wenn dieGeburt bei der Lösung des Kopfes zum Stocken kommt, stirbt dasKind sehr bald ab. Dann steht der Beendigung durch die Perforationdes nachfolgenden Kopfes nichts mehr im Wege. Damit wird derMutter ein lange dauerndes Geburtstrauma erspart.
Wir müssen auch noch den von Simpson zuerst vorgebrachtenGrund erwähnen, dass das Kind bei Fusslagen wie ein Kegel erst mitkleineren und successive mit immer grösseren Durchschnitten durch dasBecken gehe. Das trifft nur zu, wenn das Kinn an die Brust ge-zogen ist.
Erwägt man diese Gründe für die Wendung, so muss man sichfragen, warum nicht Alle damit einverstanden sind?
Die Gegengründe sind die grössere Mortalität der Wendungüberhaupt und die grössere Sterblichkeit der gewendeten Kinder. —Andererseits haben schon sehr viele Geburtshelfer mit einem stren« 1exspectativen Verfahren so ausgezeichnete Resultate erzielt, dass mannicht davon sprechen kann, dass die Zweckmässigkeit der Wendungbewiesen sei. Eine vergleichende Statistik liegt dafür nicht vor. Umfür die eine oder andere Ansicht beweisend zu sein, muss dieselbe mitsehr vielen Factoren rechnen. Die Unausführbarkeit oder auch nurbesondere Schwierigkeiten der Perforation am nachfolgenden Kopfkönnen wir nicht gelten lassen. (Vergl. hinten Perforation am nach-folgenden Kopf.)
Natürlich darf die Wendung (um des engen Beckens willen)nur vorgenommen werden, solange eine Dehnung des unteren