Der Durchtrittsinechanismus beim engen Becken. 413
verengten Becken dagegen ist ein günstiges Zusammenwirken der aus-treibenden Kräfte, günstige Einstellung des Kopfes, Erhaltung derBlase bis zur vollständigen Eröffnung des Muttermundes von der aller-grössten Wichtigkeit.
Nach der gebräuchlichen Eintheilung (Litzmann) zählt man zumersten Grad:
Die platten Becken mit einer Conjugata vera von 9,5 — 8,5 cm unddie allgemein verengten von 10—9 cm C. v.
Die Trägerinnen solcher Becken können durch glücklichen Zufallrecht leicht niederkommen; später aber, wenn die Betreffenden ältersind, die Wehen an Kraft nachlassen und die Kinder grösser werden,kann es zu sehr langwierigen und qualvollen Geburten kommen, dieschliesslich der Nachhülfe mit der Zange oder der Wendung bedürfen,in seltenen Fällen sogar bei grossen Kindern verkleinernde Operationennothwendig machen.
Zu den Verengerungen zweiten Grades gehören die Beckenmit einer Conjugata vera von 8,5—7 cm. Hier ist operative Nachhülfein der Regel nothwendig und die spontane Ausstossung eine Ausnahme.
Eine Conjugata vera von 7 — 5,5 cm — Verengerung drittenGrades — bringt immer die hochgradigsten Hindernisse mit sich.Das sind die Fälle, wo bei lebendem Kind der sogenannte „be-dingte" Kaiserschnitt, bei todtem Kind die Perforationausgeführt wird. Bei einer Conjugata vera unter 7 cm hat diekünstliche Frühgeburt so gut wie niemals mehr Erfolg.
Bei einer Conjugata vera unter 6—5,5 cm ist absolute Gebär-unmöglichkeit vorhanden; es bleibt kein anderes Mittel übrig als derKaiserschnitt. Wenn in solchen Fällen nicht rechtzeitig operirt wird,so sterben die Kreissenden unentbunden an Uterusruptur.
Wenn auch die Gradbestimmung der Beckenverengerung eineäusserst wichtige Richtschnur für das Handeln des Arztes gibt, so istdies nicht das einzige, ja eigentlich nicht das wichtigste Moment. Ohnebestimmte Zeichen von Gefahr darf bei den drei massigen Gradenniemals operirt werden. Die Gradbestimmung der Verengerungenist practisch sehr wichtig, sie aber als ausschliessliche Indication zubestimmten Operationen, z. B. zur Zange, zur Perforation anzuwenden,ist entschieden fehlerhaft. Nur bei dem Kaiserschnittbecken und leben-dem Kind entscheidet die Beckenmessung auch die Therapie.
Die Prognose richtet sich hauptsächlich nachdem correctenVerfahren des Geburtshelfers. Durch richtiges Eingreifen zurrichtigen Zeit, ganz besonders auch durch allergenaueste Desinfection,lassen sich bei der Behandlung des engen Beckens die schönsten Re-sultate erzielen. Zur correcten Behandlung gehört obenandie Vermeidung der forcirten Zangenoperationen am hoch-stehenden Kopf. Trotzdem kein Lehrer unserer Zeit diesen ge-waltsamen Operationen das Wort redet, und trotzdem die Misserfolgeklar zu Tage liegen, kommen dieselben immer noch vor.