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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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Der Durchtrittsmechanismus beim engen Becken.

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Die Einstellung des Kopfes bei einem allgemein gleich-massig verengten Becken ist ganz verschieden von der beim platten.Hier steht das Hinterhaupt am tiefsten, die grosse Fontanelleextrem hoch, meistens gar nicht erreichbar. Die Erklärungverschieben wir bis zur Besprechung des Durchtrittsmechanismus.

Auf eine seltene Einstellung hat Breisky x ) aufmerksam gemachtund sie extramediane Einstellung genannt. Bei stark vorspringen-der Lendenwirbelsäule kann dieselbe den Beckeneingang gleichsamhalbiren. An der hinteren Beckenwand entstehen 2 Hälften, von denenimmer nur eine vom Kopf ausgefüllt werden kann. Die andere, vorder Synchondrosis sacro-iliaca liegende Bucht muss frei bleiben. Durchdie eine geht dann der Kopf oft durch und zwar in der Durchtrittsartwie beim allgemein verengten Becken. Das ist begreiflich, denn fürdie Geburt ist bei Nichtausnützung der einen Bucht der Raum auchebenso beschränkt wie beim allgemein verengten Becken.

Der Durchtrittsmechanismus beim engen Becken.

Fig. 157.

Bei der queren Einstellung des Schädels, die wir als charakte-ristisch für das platte Becken hingestellt haben, kann der Durchgangdes Kopfes durch die enge Stelle mit einem Ruck erfolgen, indem dieKnochen sich biegen, die Form sich etwasändert — der Kopf sich configurirt — wie derTerminus technicus lautet. Das hintere Scheitel-bein wird sehr stark unter das vordere ge-schoben und es geht dasselbe in einer Linie,die senkrecht zur Pfeilnaht ist, an dem Pro-montorium vorbei. Im Querstand kommt derKopf auf dem Beckenboden an und hier erstbeginnt das Hinterhaupt wieder voranzugehen.

Der Durchtrittsmechanismus durch ein-fache Form- und eine geringe Volumsverände-rung hat aber enge Grenzen. Nur bei kleinenKöpfen mit weichen und biegsamen Knochenist dies möglich und auch solche können durchein sehr verengtes Becken nicht mehr durch.

Ein anderer Vorgang kommt zu

Druckspur am Schädel beimDurchgang durch ein engesBecken (nach D ohrn, A. f. G.Bd. VI. p. 85). Das unge-wöhnliche dieses Falles ist,dass nach der Zeichnung dieDruckspur direct über denScheitelbeinhöcker verlief.

Stande durch eine Drehung um die in

der Conjugata eingestellte Axe. Man kann

nämlich Köpfe von Kindern beobachten, an denen

die Punkte markirt sind, welche während des Geburtsverlaufes in der

Conjugata standen.

') Prager Viertel]ahrschr. 1869. Bd. IV. p. 58. Rapin (Schüler Breisky's),Engagement de la tete. Diss. Lausanne 1874. Fankhauser, Die Schädelformnach Hinterhauptslage. Diss. Bern 1872. p. 74. Kleinwächter, Prager Viertel-jahrschrift 1872. Bd. III. p. 104.