Der Geburtsverlauf beim engen Becken. 409
Beitr. z. Geb. u. Gyn. Bd. II. p. 211 u. 289. — Dohm: A. f. G. Bd. VI. p. 82. —Schröder: Schw., Geb. u. "Wochenbett. 1867. p. 106. — Osterloh: A. f. G. Bd.IV.p. 520. — Martin, A.: Zeitschr. f. G. u. Frauenkrhtn. Bd. I. p. 30 mit Zeichnungenvon Druckmarken.
Die vier Alien von Becken, welche zuerst besprochen wurden,nämlich das allgemein gleichmässig, das rhachitisch platte, das einfachplatte und das allgemein verengte platte Becken haben das gemein-same Merkmal, dass die Verengerung schon im Beckeneingang anfängt.Das räumliche Missverhältniss zwischen Beckendurchmessern und Kindes-kopf hindert den Kopf an dem Eintritt in das kleine Becken. Diesist das auffälligste, aber nicht das einzige Symptom des engen Beckenswährend des Geburtsverlaufes.
Schon in der Schwangerschaft macht sich das räumliche Miss-verhältniss geltend, indem z. B. bei Erstgebärenden der Kopf gegenEnde der Schwangerschaft noch beweglich über dem Beckeneingangbleibt, während er normaler Weise in das Becken eintritt. Es gibtdies auch eine Disposition zu Lageabweichungen der Gebär-mutter, die häufig stark nach einer Seite oder vorn überneigt (Hänge-bauch).
Trotzdem die räumliche Behinderung der Geburt das häufigsteund sicherste Zeichen zum Erkennen von Beckenverengerungen ist,wäre es ein grosser Irrthum, ein enges Becken ausschliessen zu wollen,wenn bei einer Geburt die Austreibung rasch vor sich geht, einemechanische Behinderung also nicht zu bemerken ist. Insbesonderebei den platten Becken können mehrere Geburten auffallend rasch ver-laufen, wenn in dem Moment, in welchem der Kopf durch die engeStelle geht, kräftige Wehen, gute Einstellung des Schädels und sonstgünstige Verhältnisse zusammentreffen. Weil die Beckenverengerungnur an einer Stelle sitzt, tritt der Kopf nach Ueberwindung derselbenmit einem Ruck bis auf den Beckenboden, und mit der nächsten Weheist die Geburt vollendet.
Mit mehr Sicherheit darf man dagegen auf eine Beckenverenge-rung schliessen, wenn der vorliegende Kindestheil bei eröffnetemMuttermund und trotz kräftiger Wehen nicht in das kleine Becken ein-treten kann.
Weitere Zeichen sind kleine Gestalt der Frau, grosse Beweglich-keit des Uterus, Schief- und Querlagen, Nabelschnurvorfall. Natürlichgibt keines dieser Vorkommnisse eine Sicherheit für das Vorhanden-sein eines engen Beckens; aber sie müssen den Arzt auf die Möglich-keit aufmerksam machen.
Alle Momente, die ein räumliches Missverhältniss andeuten, müssenzu einer genauen Messung des Beckens auffordern, und diese mussdas weitere ergeben. Die Messung ist immer möglich. Wo ein Becken-messer fehlen sollte, lässt sich doch die Conjugata diagonalis mit Zeige-und Mittelfinger annähernd bestimmen.
Bei näherer Untersuchung zeigen sich bei den engen Beckengrosse Abweichungen vom Geburtsmechanismus. Während