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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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396
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396 -Das ankylotisch quer verengte Becken.

Die Diagnose an der Lebenden ergibt sich aus dem spitzenSchambc-gen, dem parallelen Verlauf der beiden Schambeine, und dergleichmässigen Querverengerung durch das ganze Becken, dem Fehlender Knickungsstelle der Schambeine (im Vergleich zum osteomalacischenBecken), hauptsächlich aber durch die abnorme Schmalheit des Kreuz-beines, also bei Messung der beiden Spinae posteriores.

3) Das kyphotisch quer verengte Becken.

Literatur.

Herbiniaux: Tratte sur divers accouchements laborieux etc. Bd. I. Bruxelles1872. p. 270. — Jörg: Die Verkrümmung des Körpers. Leipzig 1810. p. 51. —Rokitansky: Med. Jahrb. d. Österreich. Staates. Wien 1839.. Bd. XIX. p. 199 u.Lehrb. d. pathol. Anatomie. 1856. Bd. II. p. 171. — Lambl: Scanzoni's Beiträgezur Geburtskunde u. Gynäkologie. 1858. Bd. III. p. 61 u. 62. — Neugebauer:M. f. G. Bd. 22. p. 297. — Breisky, A.: Zeitschr. d. Ges. d. Aerzte Wiens.1865. 21. Jahrg. Bd. I. p. 21—24. — Moor, J.: Das in Zürich befindliche kyph.querv. Becken. Diss. inaug. Zürich 1865. — Hugenberger: Petersb. med. Zeitschr.1868. Bd. XV. Heft 4. — Chantreuil: Deform, du bassin chez les cyph. Paris 1869u. Gaz. hebd. 2. Serie. 1870. Bd. VII. p. 34 s. Schm. Jahrb. Bd. 149. p. 178. —Höning: Beitr. z. Lehre v. kyph. querv. Becken. Bonn 1870. — Lange: A. f. G.Bd. I. p. 224. — Fehling: A. f. G. Bd. IV. p. 1. — Schilling: Das kyph. querverengte B. Diss. inaug. Berlin 1873. — Hüter: Z. f. G. u. G. Bd. V. p. 22. —Phänomenoff: Ibid. Bd. VII. p. 254. — Korsch: A. f. G. Bd. XIX. p. 475. —Freund, W. A.: Ueber das sogen, kyphotische Becken. Gynäkologische Klinik.Strassb. 1885. p. 1. — Torggler: A. f. G. Bd. 25. p. 429.

Jede Verbiegung der gesammten Wirbelsäule convex nach hinten,d. i. eine Kyphose, (Kyphose = Buckel, kyphotisch = gebückt, natürlichist dann der Mensch nach vorn gebückt) hat tiefer unten eine compensi-rende Krümmung nach vorn zur Folge. Je höher die primäre Verbiegungsitzt, um so weniger wird die zweite compensirende Krümmung einenEinfluss auf das Becken haben. Die kyphotisch querverengten Beckenentstehen also nur bei Kyphosen in den Lendenwirbeln oder den Lenden-und Kreuzbeinwirbeln (Kyphosis lumbo-dorsalis und lumbo-sacralis).

Die normale Lendenwirbelsäule ist leicht nach vorn convex ge-bogen, also lordotisch; bei einer Kyphose haben wir das directe Gegen-theil. Während normaler Weise der Druck der Lendenwirbelsäule sogerichtet ist, dass er das Promontorium nach vorn und in das Beckenhineinzutreiben sucht, ändert sich diese Belastungsrichtung bei derKyphose ebenso in das Gegentheil; das Promontorium wird nach hintenund unten gedrängt. Dadurch wirkt das Kreuzbein als directer Keil,der selbst nach rückwärts drängt und die Hüftbeine oben auseinander,im Beckenausgang gegen einander treibt. Dem entsprechend bildetsich im Beckenausgang eine starke Querverengerung aus.

Wenn wir auch mit diesen Gesichtspunkten dem in der Statik des Knochen-gerüstes Bewanderten genügenden Anhalt zur Construction der durch Kyphose ver-änderten Beckenform geben, so genügt dies doch nicht für den Lernenden. EinBuckel in der Lendenwirbelsäule, der aber nicht durch Rhachitis entstanden seinkann, weil sich hiedurch die Verhältnisse aussergewöhnlich compliciren, hat einen