Die Fibromyome des Uterus. 365
Breslau 1884. — Ayrolles: Annäles de Gynec. Febr. 1885. — Rosner: C. f. 6.
1885. p. 299. - Winokel: Lehrb. d. Frauenkrhta. 1886. p. 658. — Stratz: Z.f. G. u. G. Bd. XII. p. 262.
Es handelt sich hiebei um Neubildungen des Uterus, Fibromyoma,Carcinoma uteri und Ovarialkystome.
a) Die Fibromyome stören den Puerperalzustand in der mannig-fachsten Weise. Zunächst hindern sie häufig genug die Conception,bedingen also „Befruchtungsunfähigkeif — Sterilität — oder führenzur Unterbrechung der Schwangerschaft, zur „Unfruchtbarkeit" — In-fertility der Engländer —. Die Fibromyome sind eine recht häufigeUrsache des habituellen Abortus und deshalb dort schon erwähnt worden.
Alle Fibroide wachsen während der Schwangerschaft. Schonöfters wurden Aerzte inter grayiditatem von grossen Geschwülsten über-rascht bei Frauen, die vor der Conception weder von Symptomen nochvon einem Tumor wussten. Bei der Aehnlichkeit der Structur mit derUterusmuskulatur ist das Wachsthum nicht befremdend, aber auch einAbschwellen im Wochenbett zu erwarten. In der That nehmen grossgewordene Myome im Puerperium wieder ab.
Sitzen die Fibroide subserös, so können dieselben ohne vielStörungen bleiben. Wird der Baum durch das Wachsthum zu sehr be-schränkt, so führen sie gewöhnlich zum Abortus.
Einen höchst merkwürdigen, einzig, dastehenden Fall sah ich als Assistentin Gusserow's Klinik. Eine 27jährige, äusserst abgemagerte Person trug einenextrem grossen bis zum Rippenbogen reichenden Tumor von weicher Consistenzund litt schon bei der Aufnahme an Athembeschwerden. Sie leugnete hartnäckigjede Möglichkeit einer Gravidität. Bezüglich der Menstruation machte sie die An-gabe, dass dieselbe, schon länger unregelmässig, seit 4 Monaten ausgeblieben sei.Andere Schwangerschaftssymptome fehlten. Die Geschwulst selbst hatte sie schonlange verspürt. Auf Sondirung traten ganz rasch Wehen und die Ausstossungeiner macerirten Frucht von 4 Monaten ein. Der Tumor blieb noch gross, dochhatte die Kranke vorübergehend etwas Erleichterung. Doch bald nachher kameine peinliche und sich stets steigernde Athemnoth, Schwäche, Ohnmachtsgefühlund elender Puls. 40 Stunden p. p. starb sie. Die Todesursache war innere Ver-blutung aus feinen siebartigen Durchlöcherungen der Venen an der Hinterwanddes Uterus, aus denen noch während der Section das Blut ausfloss. Durch dieBewegungen des Tumors während des Abganges waren die Venen ■ durchgeriebenworden. (Der Fall ist erwähnt von Gusserow, Handbuch der Frauenkrankheiten
1886. Bd. IL p. 152.)
Die interstitiellen und hochsitzenden submueösen Fi-broide führen zum Abortus. Auch bei glücklich beendeter Schwanger-schaft können sie in der Nachgeburtsperiode Veranlassung zu heftigenBlutungen geben, wenn die Geschwülste durch ihren Sitz das Anein-anderliegen und die Verkürzung der Uteruswände verhindern. Auchfalsche Lagen werden durch die Fibroide bedingt, wenn sie so sitzen,dass sie die Formveränderung des Uterus zu hindern vermögen (To-loczinow). (Vergl. das Referat Schm. Jahrb. B. 145. p. 286.)
Die tiefer inserirten sollen nach Toloczinow weniger zurSchwangerschaftsunterbrechung neigen, dafür am Ende noch gefähr-licher sein.