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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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319
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Aetiologie der Eileiterschwangerschaft. 319

dafür. Bei der äussern Ueberwanderung des Eies ist die Flimmerungallein ausreichend, um die Eier, die von dem einen Ovarium stammen,in den Oviduct der andern Seite zu schaffen. Gerade diese Thatsachezeigt, dass die Flimmerung zur Fortbewegung von Eiern ausreicht, unddann kann sie natürlich auch in der Tube ausreichen 1 ). Dass Con-tractionen der Tube mitwirken, hat man schon angenommen. Jeden-falls ist deren Existenz ganz ungewiss.

Die Hindernisse für die Weiterbewegung sind Verschliessung,Vernarbung des Lumens, ampullenförmige Ausbuchtungen des Eileiters,narbige Zerstörung der Schleimhaut, Polypen 2 ) u. s. w. Ueber dieAetiologie weiteren Aufschluss zu geben , ist jedoch der erschwertenanatomischen Untersuchung meist unmöglich und in sehr vielen Fällenist die Ursache der Schwangerschaftsstörung ganz ungewiss.

Symptome, Verlauf. Wenn sich das Ei in der Tubenschleim-haut einnistet, so geht seine Entwicklung ganz wie in der Gebärmuttervor sich. Die Schleimhaut der Tube bildet eine Decidua vera, aberwie es scheint keine Decidua reflexa, die Chorionzotten senken sichin jene ein. Aber die Tube, welche am uterinen Ende nur mit Müheeine Sonde durchgehen lässt, kann sich für gewöhnlich nicht so er-weitern , um endlich auch einem ausgetragenen Kinde Platz zu geben.Die Tube reis st beim Heranwachsen der Frucht in der Regelein. Dies kann vom 2. Monat an geschehen, häufiger im 3. und4. Monat. Spätere Rupturen im 5. Monat kommen auch vor und sindin neuerer Zeit öfters beobachtet worden. Meist verlaufen sie dannmit ernsten Störungen, ja mit Störungen, die den Gedanken nahe legen,dass der entsprechende innere Vorgang eine partielle Ruptur gewesensei. Bei mehreren Präparaten war der Fruchtsack ganz in die Tiefedes Beckens, aber zwischen die beiden Lamellen des Lig. latum hinunter-gewachsen und lag vielleicht in diesem Umstand der Grund für denspäteren Eintritt der Ruptur (vergl. Literatur).

Tritt die Ruptur des Oviducts ein, so muss über einer solchenFrau ein ganz besonderer Glücksstern walten, wenn sie dieses Ereignissüberstehen soll.

Der gute Verlauf durch Absterben und Abkapselung des Fötusgehört zu den grossen Seltenheiten. Leider geht es in der Regelanders. Es gibt keine Krankheit, die heimtückischer ein scheinbarganz gesundes Individuum überfallen und in wenig Stunden unter denSymptomen der inneren Verblutung zum Tode bringen kann, als dieTubarschwangerschaft. Mit anderen Worten: es gibt Fälle, wo diebetroffene Frau keine Ahnung, kein fremdartiges Symptom bemerkthat und im 3. oder 4. Monat plötzlich durch die Ruptur des Frucht-sackes todtkrank wird.

Da es in solchen Fällen wegen des äusserst schnellen Verlaufeskaum möglich ist, die Frau zu retten, so ist es von grösster Wichtig-

Vergl. oben die Versuche von Pinner. p. 30.Wyder, A. f. G. Bd. 28. p. 367 u. ff.