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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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302
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302 Die Missbildungen der Genitalien in ihrer Bedeutung zur Schwangerschaft.

Bis jetzt sind 3 Fälle bekannt, in denen das Ende der Schwanger-schaft erreicht wurde (E. Turner, Salin und Litzmann) und einmalder 7. Monat (Sänger).

In mehreren Fällen war das verkümmerte Uterushorn auchvon der Entwicklung am unteren Ende gegen den Cervicalkanal hinverschlossen. Die Conception konnte also nur zu Stande gekommensein durch ein Hinüberwandern des Sperma aus dem gesunden Hörnund der entsprechenden gesunden Tube in die kranke. Man pflegtdies gewöhnlich die äussere Ueberwanderung des Samens zu nennen.Richtig ist es, das aussen genauer zu bezeichnen, um so mehr, als derOrt der Wanderung, die Bauchhöhle, sehr innerlich ist (Transmigratioextrauterina seminis). Auch das Ei kann diesen Weg machen vondem Ovarium des normalen Uterushornes. Der Ursprung des Eies istan dem Corpus luteum verum zu erkennen. Die äussere Ueberwande-rung der Eier ist Leopold experimentell gelungen, indem er die eineTube künstlich verschluss und das andere Ovarium exstirpirte (A. f. G.Bd. XV. p. 258). Ein Theil der so behandelten Kaninchen wurdeträchtig und warf in regelmässiger Weise.

Diagnose und Therapie gehören zur Besprechung der tubarenExtrauteringravidität, auf welche wir hier verweisen.

Eine besondere Besprechung des Uterus unicomis halten wir fürüberflüssig, weil derselbe in der Kegel ausser der Schiefstellung keineStörungen macht. Der Fall von Moldenhauer war ein Ausnahmefall.

Inhaltsübersicht.

Von den Doppelbildungen und Missbildungen hat nur der Uterusbicornis mit verkümmertem Nebenhorn eine Bedeutung für die Geburtshilfe.Die anderen Formen bedingen gelegentlich Verhaltimg der Decidua imNebenhorn, bringen dagegen als solche keine Lebensgefahr. Die Schwanger-schaft im verkümmerten Nebenhorn verläuft wie die Eileiterschwanger-schaft (siehe dort).

B. Die Lageveränderungen der Gebärmutter.

Literatur.

Ueber Vorfall, Hernien, Anteflexio und Retroflexio uteri.

Vorfall.

Hüter: M. f. 6. Bd. XVI. p. 186. Zusammenstellung der älteren Fälle.Gusserow: M. f. G. Bd. 21. p. 99. Gueniot: Verlängerung der Port. vag. Arch.gener. de med. 1872. Bd. I und H. Kessler: Dorpat. med. Zeitschr. Bd. VI.1875. p. 103.

Hernien, Anteflexio und Retroflexio:

Klob: Patholog. Anat. d. weibl. Sexualorgane. 1864. p. 105. Scanzoni:Beitr. z. Geburtskunde. Bd. VII. p. 167. Ahlfeld: Ueber Einklemmung der ante-flectirten schwangeren Gebärmutter. A. f. G. Bd. XIII. p. 161. Schatz: Zwei be-sondere Fälle v. Retroflexio uteri gravidi. A. f. G. Bd. I. p. 469. Tyler, Smith:London. Obstetr. Transact. Bd. IL p. 286. Barnes: Obstetr. Operat. 3. edit.Franke: M. f. G. Bd. 21. p. 161. Haussmann: M. f. G. Bd. 31. p. 132 neue Fälle