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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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279
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Die Bedeutung des Fiebers. 279

des Kindes eine wahrnehmbare Unruhe und Unbehaglichkeit. DieFrequenz der Herztöne steigt an, ihre Stärke nimmt ab. Dass diesdirect und ausschliesslich auf das Fieber zu beziehen sei, zeigt sichbei Sinken der mütterlichen Körpertemperatur. In einem Fall vonTyphus einer Gravida konnte Verf. die Frequenz mit dem Ansteigendes Fiebers steigen und mit dem Nachlass abnehmen hören. AehnlicheBeobachtungen haben auch andere Autoren gemacht.

Steigt die Fieberhitze über ein gewisses Maass, so sterben dieFötus gewöhnlich ab. Genau ist diese Grenze nicht anzugeben. Sicherist, dass es von 40° C. aufwärts für die Früchte zunehmend ungünstigerwird. Gelangt man dazu, ein bei hohem Fieber abgestorbenes Kindzu seciren, so sieht man dessen Pleura dicht mit Petechialsugil-lationen übersät, die gerade dem Erstickungstode der Ungeboreneneigenthümlich sind. Diese kleinen Blutergüsse sind aber noch weitzahlreicher, als sonst bei intrauteriner Erstickung, und beschränkensich nickt auf die Pleuren allein. Sie haben ein Analogon bei denThieren, die einer zu heissen Luft ausgesetzt waren und daran ge-storben sind. Man gibt dieser Todesart den Namen der Wärmestauung,ohne aber damit den inneren Vorgang näher erklären zu können. Dieausgedehnten, auffallend starken Petechialsugillationen, welche ick zusehen Gelegenheit hatte, machten den Eindruck, dass das Absterbenschliesslich unter vorzeitigen Athembewegungen, also unter dem Vor-gang einer Erstickung verlief. Ein durch die Wärmestauung veran-lasster Sauerstoffmangel ist nach den Experimenten Runge's die wahr-scheinlichste Ursache.

Das Fieberblut scheint aber auch eine directe Wirkung auf dieNervencentren der Uterusbewegung zu haben; denn unter starkemAnsteigen des Fiebers treten in der Regel Contractionen der Gebär-mutter auf.

Endlich scheint die Neigung zu Hämorrhagien in die De-cidua einzelnen Fiebergraden oder einzelnen Infectionskrankheiten inbesonderem Maasse zuzukommen. Die grösste Neigung hiezu hat derTyphus, bei dem es mit grosser Constanz zu Blutergüssen auchstärkeren Grades in die Decidua kommt und der deswegen mit grosserWahrscheinlichkeit zur Unterbrechung der Schwangerschaft führt. Esist von Praktikern gelegentlich schon der Typhus als ein Reagensauf Gravidität bezeichnet worden, so häufig bringt er den Fötus, selbstunerwartet, zum Vorschein. Für die Cholera ist von Slavjanskydas Auftreten einerEndometritis haemorrhagica" sowohl bei schwangeren.als bei nicht schwangeren Frauen nachgewiesen worden.

Noch in einer Beziehung haben die acuten Infectionskrankheitenund ihr Einfluss auf den Fötus hohen wissenschaftlichen Werth. Esist dies die Frage: Gehen die Infectionskeime auf den Fötusüber oder kann derselbe verschont bleiben? Der Uebergang muss imallgemeinen bejaht werden.

Es hängt dies innig mit der experimentellen Forschung zusammen, die denNachweis anstrebt, feste Körper in feinster Suspension und Emulsion aus dem