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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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218
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218 Die Chloroformnarkose bei den Geburten.

Ueber Bromäthyl:

Lebert: Des accouchements sans douleur par l'emploi du bromure d'ethyle.Paris 1882. Wiedemann: Petersburger med. Wochenschr. 1883. Nr. 11.Hack ermann: Berl. klin. Woehenschr. 1883. Müller, P.: Berl. Min. Wochenschr.1883. Nr. 44, u. A. f. G. Bd. 22. Heft 1. p. 99. Duoasse: Essai sur l'emploidu bromure d'ethyle etc. These. Paris 1883. Montgomery, E. (Phila-delphia): Amer. Journ. of obstetr. 1885. Juni. p. 561.

Die Geburt ist regelmässig mit so intensiven Schmerzen verbun-den, dass es für die Kreissenden der sehnlichste Wunsch und für dieAerzte eine sehr angenehme und dankbare Aufgabe ist, Linderung zuschaffen. Wirksam genug zu diesem Zwecke sind nur die Anaesthetica.

In der That wurde in England das Chloroform sehr bald nachdessen Erproben als Anaestheticum bei normalen Geburten angewendet.Linderung der Schmerzen ist der Zweck beim natürlichen Verlauf, Auf-hebung einer hemmenden Spannung ist der Zweck des Chlor'oformes beiden Operationen.

Die principiellen Fragen, welche bei der Anwendung der Narkosein Betracht kommen, sind:

Ob die Wehenthätigkeit unter dem Einfluss des Chloroforms anEnergie verliere, ja ob nicht gelegentlich, wo die Disposition zu schwachenWehen ohnehin vorhanden ist, die Narkose eine Atonie des Uterus be-günstige und weiter, ob die Chloroformnarkose für das Kind unschädlich sei.

Bei einer tiefen Narkose verliert die Wehenthätigkeit entschiedenan Energie. Da, wo es hauptsächlich auf die Thätigkeit der Bauch-presse ankommt, lässt sich die Geburt durch Chloroform fast sicher zumStillstand bringen. Nun gibt es aber auch Fälle, wo die Abschwächungder übermässig thätigen Gebärmutter gerade den Wünschen des Geburts-helfers entspricht. Wir erinnern nur an die Geburtsstörungen beiKrampfwehen, vernachlässigten Querlagen u. A.

Dagegen bleiben die Wehen, d. i. die Contractionen der glattenMuskulatur des Uterus ziemlich ungeschwächt, wenn man nur eineoberflächliche Anästhesirung einleitet. Dazu ist sehr wenig Chloro-form nothwendig. Nur während des Schmerzes werden die Dämpfeeingeathmet und schon dieser geringe Grad der Betäubung macht dieGeburt erträglicher. Eine Einschränkung der Wehenthätigkeit machtdies nicht, höchstens eine solche der Bauchpresse. Es ist also aucheine Atonie von dieser leichten Narkose nicht zu befürchten und die-selbe von ärztlicher Seite nur zu empfehlen.

Wenn aber das Chloroform so lange und so stark eingeathmetwird, dass alle quergestreiften Muskeln erschlaffen, so verlieren auchdie Contractionen des Uterus an Intensität. Es besteht die Möglichkeit,dass das Chloroform für die Nachgeburtsperiode eine gefährliche Atonieveranlasse, und diese Eventualität ist um so mehr zu fürchten, wenn manbei vorhandener Wehenschwäche chloroformiren muss.

Bei einer grossen Zahl von Zangenoperationen trifft dies zu.

Wenn man nur an die Gefahr der Atonie denkt, so lässt sichin solchen Fällen der Blutung mit Leichtigkeit entgegenwirken. Wir